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NAME

       dvgrab — Importiert DV Video- und Tondaten über IEEE1394-Verbindungen

ÜBERSICHT

       dvgrab   [-i,   --interactive]  [--noavc]  [--autosplit]  [--timestamp]
       [--timesys] [--card zahl] [--channel zahl] [--stdin]  [--dv1394  gert]
       [--format   fmt]   [--frames   zahl]   [--size   zahl]   [--csize  num]
       [--cmincutsize  num]  [--every   zahl]   [--duration   zeit]   [--help]
       [--version] [basis]

BESCHREIBUNG

       dvgrab  ist  ein  Programm,  mit dem DV Video- und Audiodaten von einem
       digitalen Camcorder via IEEE1394-Verbindung importiert  werden  können.
       (IEEE1394   ist  auch  unter  verschiedenen  Markennamen  bekannt,  wie
       FireWire, i.Link oder Lynx.) Die DV-Daten werden in einer oder mehreren
       Dateien     gespeichert     und     können     später     mit     einem
       Videobearbeitungsprogramm weiter verarbeitet werden.  dvgrab  kann  den
       Camcorder  fernsteuern,  aber  zeigt das Video nicht auf dem Bildschirm
       an.

       Aus  dem   Argument   basis   wird   der   Dateiname   der   Videodatei
       zusammengesetzt,  so wie basis-id.ext, wobei id eine bei 001 beginnende
       Laufnummer und ext eine Dateinamenserweiterung ist, die  vom  benutzten
       Dateiformat abhängt, z. B. avi.  Die Namensgebung weicht davon ab, wenn
       die Option --timestamp oder --timesys  verwendet  wird  (siehe  unten).
       Wenn  als  basis  das  Zeichen  ’-’  verwendet  wird,  gibt  dvgrab die
       unveränderten DV-Daten (raw DV) auf die Standardausgabe aus.  Wenn  das
       Video  in  eine  Datei  importiert  wird, werden die Daten auch auf die
       Standardausgabe geschrieben, wenn  die  Standardausgabe  an  eine  Pipe
       angeschlossen  oder  umgeleitet  ist.   Die  voreingestellte  basis ist
       dvgrab-, wenn keine andere angegeben ist.

       Sie können dvgrabs leistungsfähige Datei-Schreib-Funktionen  auch  für
       andere  Programme  nutzen, die unveränderte DV-Daten (raw DV) erzeugen.
       Benutzen Sie dafür die Option --stdin und dvgrab versucht die  DV-Daten
       von  der  Standardeingabe zu lesen, wenn es erkennt, dass es am Ausgang
       einer Pipe hängt und nicht interaktiv betrieben wird.

OPTIONEN

       -i, --interactive
              Versetzt  dvgrab  in  den  interaktiven  Modus,   sodass   jeder
              Tastendruck die Kamera steuert oder den Import (capture) startet
              oder stoppt. Andernfalls läuft dvgrab im Session-Modus, wobei es
              sofort   anfängt   zu   importieren  und  nach  Festlegung  oder
              Unterbrechung (STRG-c) aufhört.

       --noavc
              Schaltet die Kamerasteuerung aus.  Das  sollte  benutzt  werden,
              wenn  Live-Videodaten  vom  Camcorder im Kamera-Modus importiert
              werden, weil dabei  das  AV/C-Kommando  play  die  Aufnahme  der
              Kamera  starten  würde.  Möglicherweise wird das eingelegte Band
              überspielt.  Die  Option  wirkt   auf   den   interaktiven   und
              nicht-interaktiven Modus, weil im letzteren Fall auch Start- und
              Stopp-Signale  zur  Kamera  gesendet  werden,  wenn  der  Import
              gestartet oder gestoppt wird.

       --autosplit
              Versucht  den  Anfang  jeder  neuen  Aufnahme zu erkennen und in
              separaten Dateien  zu  speichern.  Das  kann  mit  den  Optionen
              --frames  und --size kombiniert werden und mit einer neuen Datei
              wird begonnen, wenn eins der angegebenen Ereignisse eintritt.

              Automatisches  Teilen   der   Ausgabedatei   ist   normalerweise
              ausgeschaltet.

       --timestamp
              Baut Tag und Uhrzeit der Aufnahme in den Dateinamen ein.

       --timesys
              Verwendet das Systemdatum und -zeit anstatt das der Aufnahme für
              den Dateinamen.  Das  ist  nützlich,  wenn  Umwandler  verwendet
              werden,  die  das  Aufnahmedatum und -zeit nicht in den DV-Daten
              ändern.

       --card zahl
              dvgrab empfängt die Daten von der IEEE1394-Karte mit der  Nummer
              zahl.   Standardmäßig  wird  die  erste  Karte  mit  der  ersten
              gefundenen Kamera  verwendet.   In  Verbindung  mit  der  Option
              --noavc  wird  der  Bus  nicht abgesucht.  In Verbindung mit der
              Option --guid hex wird nur der angegebene Bus nach  einem  Gerät
              mit  der  GUID  hex abgesucht.  Zusammen mit der Option --dv1394
              und ohne Angabe des Geräts erstellt dvgrab  den  Namen  für  das
              Gerät anhand der zahl nach der Namenskonvention von devfs.

       --guid hex
              Wenn Sie mehr als ein DV-Gerät haben, wählen Sie eins aus, indem
              Sie die GUID hex (hexadezimales Format) dieses  Geräts  angeben.
              Das Format ist in /proc/bus/ieee1394/devices oder bei Kernel 2.6
              im Dateisystem /sys zu sehen.

       --channel zahl
              Isochroner Kanal, von dem die Daten empfangen  werden.  Standard
              ist  63, das ist üblicher Standard bei DV-Camcordern heutzutage.
              Wenn Sie etwas anderes angeben, wird dem Gerät  zur  Zeit  nicht
              mitgeteilt,  welchen  Kanal es nutzen soll. Sie müssen dem Gerät
              selbst übermitteln, welcher Kanal genutzt wird.

       --buffers zahl
              Die Anzahl  der  wegen  I/O-Verzögerungen  zwischengespeicherten
              Frames. Standard ist 100.

       --stdin
              Liest  den  Datenstrom  aus  einer  Pipe  an der Standardeingabe
              anstatt vom IEEE-1394-Treiber.

       --dv1394 [gert]
              Verwendet  den  dv1394-Treiber  für  den  Import  anstelle   des
              raw1394.   Die  Angabe  gert  ist  nicht  nötig,  wenn  Sie die
              Namenskonvention  des  devfs   für   dv1394   einhalten,   z. B.
              /dev/ieee1394/dv/host0/PAL/in.   Wenn gert zusammen mit --noavc
              verwendet wird, wird der Bus nicht abgesucht.  Wenn gert  nicht
              angeben  ist,  aber  --card zahl, dann erstellt dvgrab den Namen
              für das Gerät anhand zahl nach der Namenskonvention  von  devfs.
              dvgrab  erkennt  NTSC  und  PAL  automatisch, nutzen Sie einfach
              /dev/ieee1394/dv/hostX/PAL/in!

       --format dv1 | dv2 | raw | dif | qt | jpeg
              Gibt das Format der Ausgabedatei(en) an.

              dv1 und dv2  sind  beides  AVI-Dateien  etwas  unterschiedlicher
              Formate.     dv2   speichert   eine   Tonspur   zusätzlich   zur
              DV-Videospur, was kompatibler mit anderen Anwendungen ist.   dv1
              speichert eine einzige DV-Spur, weil das DV-Format grundsätzlich
              Ton  und  Video  mischt.  Obwohl  dv1  kleinere   Ausgabedateien
              erzeugt,  verstehen  es  manche  Anwendungen nicht und verlangen
              dv2. dvgrab kann sehr große AVI-Dateien anlegen,  z. B.  über  2
              oder 4 GB, aber die Kompatibilität mit anderen Anwendungen nimmt
              über einer Größe von 1 GB ab.

              raw speichert die Daten unverändert  mit  der  Dateiendung  .dv.
              Diese  Dateien  können  von einigen GNU/Linux-Werkzeugen gelesen
              werden, genauso wie von Apple Quicktime.

              dif eine Abwandlung des raw-Formats; die  Dateien  erhalten  die
              Endung .dif.  Damit können sie sofort mit MainConcept MainActor5
              geladen werden.

              qt  ist  Quicktime-Format,  aber  erfordert,  dass  dvgrab   mit
              libquicktime kompiliert wurde.

              jpeg  ist  für  eine  Folge  von  JPEG-Bildern,  wenn dvgrab mit
              jpeglib kompiliert wurde.

              Standard ist dv2.

       --opendml
              Zusammen mit  --format dv2  erstellt  es  eine  OpenDML-konforme
              DV-AVI-Datei  Typ 2.  Das ist für dv2-Dateien >1GB erforderlich.
              dv1 unterstützt schon Dateien >1GB.

       --jpeg-quality zahl
              Zusammen mit --format jpeg setzt es die JPEG-Qualitätsstufe  von
              0 (schlechteste) bis 100 (beste).

       --jpeg-deinterlace
              Zusammen  mit  --format jpeg  entflechtet  (deinterlace)  es die
              Ausgabe durch Verdoppelung der Zeilen im oberen Feld.  Dies  ist
              eine  einfache  Form  des  Deinterlace,  wobei 50% der Auflösung
              verloren geht.

       --jpeg-overwrite
              Zusammen mit --format jpeg wird die  selbe  Datei  immer  wieder
              überschrieben, anstatt eine Folge von Dateien anzulegen.

       --jpeg-width zahl
              Zusammen  mit --format jpeg wird die Ausgabe auf eine Breite von
              zahl (1 - 2048) skaliert.

       --jpeg-height zahl
              Zusammen mit --format jpeg wird die Ausgabe auf  eine  Höhe  von
              zahl (1 - 2048) skaliert.

              Die  skalierte  Breite  und Höhe des JPEGs müssen beide entweder
              kleiner  oder  größer  als  die  normale  Framegröße  sein.  Zum
              Beispiel,  auch  wenn eine skalierte Breite von 700 und Höhe von
              525 ein Verhältnis von 4:3 ergibt,  ist  dieses  Bild  für  NTSC
              unzulässig, weil 700 kleiner als die normale Breite von 720 ist,
              aber die Höhe ist größer als 480.

              Weil DV nicht-quadratische Bildpunkte verwendet, ist es gut, das
              Bild   auf   ein  Seitenverhältnis  von  4:3  mit  quadratischen
              Bildpunkten   zu   skalieren   zu   können.    Für   NTSC   sind
              Beispielgrößen:   800x600,   640x480   und   320x240.   Für  PAL
              beispielsweise 384x270 und 768x540.

       --frames zahl
              Diese Option veranlasst dvgrab höchstens zahl Frames  pro  Datei
              abzuspeichern,  bevor  eine  neue  Datei  angefangen wird, dabei
              bedeutet zahl = 0 unbegrenzt.  Die Spieldauer  der  Datei  hängt
              vom  verwendeten Videosystem ab.  PAL zeigt 25, NTSC ungefähr 30
              Frames pro Sekunde.

       --size zahl
              Diese Option veranlasst dvgrab höchstens zahl Megabyte pro Datei
              abzuspeichern,  bevor  eine  neue  Datei  angelegt  wird,  dabei
              bedeutet zahl = 0 unbegrenzte  Dateigröße.  Standardmäßig  liegt
              die Grenze bei 1024 MB.

       --csize zahl
              Diese  Option  veranlasst  dvgrab  Dateien  zu teilen, wenn eine
              Zusammenstellung von Dateien zahl Megabyte überschreitet.  Damit
              können Dateien aneinander gereiht werden und sie passen genau in
              zahl Megabyte (z. B. zum Archivieren auf DVD). Wenn  die  Grenze
              erreicht  wird,  beginnt eine neue Zusammenstellung. (Siehe auch
              Option --cmincutsize)

       --cmincutsize zahl
              Diese Option bewirkt, dass eine Teilung  und  der  Beginn  einer
              neuen  Zusammenstellung zahl Megabyte vor dem Ende der aktuellen
              Zusammenstellung erfolgt. Diese  Option  kann  verhindern,  dass
              kleine  Dateien entstehen, wenn die Option --csize benutzt wird.
              Wenn eine neue Zusammenstellung auf diese Weise  begonnen  wird,
              merkt  sich  das  Programm  den  frei gebliebenen Speicherplatz.
              Sollte die neue Zusammenstellung dort hinein  passen,  wird  der
              neue Startpunkt zurückgesetzt.

       --every n
              Diese Option veranlasst dvgrab nur jedes nte Frame abzuspeichern
              (standardmäßig alle Frames).

       --duration zeit
              Setzt die maximale Dauer des Imports inklusive aller Teildateien
              für  einen  einzelnen Import-Vorgang (mehrfache Vorgänge sind im
              interaktiven Modus möglich).   Der  Wert  zeit  wird  im  "SMIL2
              MediaClipping"-Zeitformat angegeben.
              Siehe http://w3.org/AudioVideo/ für die Spezifikation.

              Kurz beschrieben ist das Format:

              XXX[.Y]h, XXX[.Y]min, XXX[.Y][s], XXXms,

              [[HH:]MM:]SS[.ms] oder smpte=[[[HH:]MM:]SS:]FF.

       --help Zeigt eine Zusammenfassung der Optionen.

       --version
              Zeigt die Programmversion.

BEISPIELE

       dvgrab foo-
              Importiert  Videodaten  von  der standardmäßigen IEEE1394-Quelle
              und speichert sie in Dateien foo-001.avi, foo-002.avi, usw.

       dvgrab --frames 25 foo-
              Eine PAL-Video-Quelle vorausgesetzt, speichert  dieses  Kommando
              eine Sekunde Videodaten pro Datei.

       dvgrab --format jpeg --jpeg-overwrite --every 75 webcam
              So  könnte man eine Webcam betreiben. Alle 3 Sekunden (75 Frames
              bei PAL) wird ein JPEG-Bild in immer der selben Datei webcam.jpg
              gespeichert.

       dvgrab --autosplit --frames 750 --timestamp foo-
              Importiert  Videodaten  von der standardmäßigen IEEE1394-Quelle,
              teilt sie in Stücke von 30 Sekunden (angenommen PAL)  oder  wenn
              eine  neue  Aufnahme  beginnt  und  benennt die Dateien nach den
              Datums- und Zeitinformationen des Videostroms.

       dvgrab --autosplit --size 1998 --csize 4400 --cmincutsize 10 foo-
              Importiert Videodaten von der  standardmäßigen  IEEE1394-Quelle,
              teilt  sie  in  Stücke, wenn eine neue Aufnahme beginnt oder die
              aktuelle Datei 1998 Megabyte  überschreitet  oder  die  aktuelle
              Zusammenstellung   von   Dateien  4400  Megabyte  überschreitet.
              Außerdem  beschränkt  es  die  kleinste  Dateigröße,  die  durch
              Teilung einer Zusammenstellung entsteht, auf 10 Megabyte.

              Dieses  Beispiel  ist sehr gut geeignet, um DV-Daten auf DVDs zu
              sichern, weil 2 GByte ungefähr die maximale Dateigröße ist,  mit
              der  die  (aktuelle)  Linux-Umsetzung  des  ISO9660-Dateisystems
              umgehen kann.

              Achtung: Es ist möglich in ISO9660-Dateisystemen Dateien  größer
              als  2 GByte  anzulegen,  aber  die  aktuellen Linux-Treiber für
              ISO9660 können diese nicht lesen. Neuere Kernel können evtl. mit
              Dateien größer 2 GByte im ISO9660-Dateisystem umgehen.

AUTOR

       Diese  Manpage  wurde  von  Daniel  Kobras  <kobras@debian.org> für das
       Debian GNU/Linux-System geschrieben  (aber  kann  von  anderen  genutzt
       werden).   Sie   wurde  von  Dan  Dennedy  aktualisiert.  Erik  Schanze
       <schanzi_@gmx.de> hat sie ins Deutsche übersetzt.   Mehr  Informationen
       und      Unterstützung      finden     Sie     auf     der     Webseite
       http://kino.schirmacher.de/ .

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