Provided by: manpages-de_2.14-1_all bug

BEZEICHNUNG

       systemd, init - Systemd-System und Diensteverwalter

ÜBERSICHT

       /lib/systemd/systemd [OPTIONEN…]

       init [OPTIONEN…] {BEFEHL}

BESCHREIBUNG

       Systemd ist ein System- und Diensteverwalter für das Linux-Betriebssystem. Wird es beim
       Systemstart als erster Prozess (als PID 1) ausgeführt, agiert es als Init-System, das das
       System hochfährt und Dienste auf Anwendungsebene verwaltet.

       Für die Kompatibilität mit SysV wird Systemd, falls es als init und einer von 1
       verschiedenen PID aufgerufen wird, telinit ausführen und alle Befehlszeilenargumente
       unverändert weitergeben. Das bedeutet, dass init und telinit beim Aufruf von normalen
       Anmeldesitzungen größtenteils äquivalent sind. Siehe telinit(8) für weitere Informationen.

       Systemd interpretiert die Konfigurationsdatei system.conf und die Dateien in
       Verzeichnissen system.conf.d, wenn es als Systeminstanz läuft. Wenn es als Benutzerinstanz
       läuft, interpretiert Systemd die Konfigurationsdatei user.conf und die Dateien in
       Verzeichnissen user.conf.d. Siehe systemd-system.conf(5) für weitere Informationen.

OPTIONEN

       Die folgenden Optionen werden verstanden:

       --test
           Ermittelt die Startsequenz, gibt sie aus und beendet sich. Diese Option ist nur für
           die Fehlersuche nützlich.

       --dump-configuration-items
           Gibt die verstandenen Unit-Konfigurationselemente aus. Diese Ausgabe ist eine knappe,
           aber komplette Liste aller Konfigurationselemente in Unit-Definitionsdateien.

       --dump-bus-properties
           Gibt offengelegte Buseigenschaften aus. Diese Ausgabe ist eine knappe, aber komplette
           Liste von Eigenschaften, die dem Bus offengelegt sind.

       --unit=
           Setzt die beim Starten zu aktivierende Vorgabe-Unit. Falls nicht angegeben, ist die
           Vorgabe default.target.

       --system, --user
           Mit --system wird Systemd mitgeteilt, eine Systeminstanz auszuführen, selbst wenn die
           Prozesskennung nicht 1 ist, d.h. Systemd nicht als Init-Prozess läuft. --user führt
           zum Gegenteil, der Ausführung als Benutzerinstanz, selbst falls die Prozesskennung 1
           ist. Normalerweise sollte es nicht notwendig sein, diese Optionen zu übergeben, da
           Systemd automatisch den Modus, in dem es gestartet wurde, erkennt. Diese Optionen
           haben daher einen geringen Nutzwert, außer für die Fehlersuche. Beachten Sie, dass das
           Starten und Verwalten eines kompletten Systems mit Systemd im Modus --system, aber
           nicht mit PID 1, nicht unterstützt wird. In der Praxis ist die explizite Übergabe von
           --system nur im Zusammenhang mit --test nützlich.

       --dump-core
           Beim Absturz Kernspeicherabzüge aktivieren. Dieser Schalter hat beim Betrieb als
           Benutzerinstanz keinen Effekt. Diese Einstellung kann auch während des Systemstarts
           auf der Kernelbefehlszeile mittels der Option systemd.dump_core= aktiviert werden,
           siehe unten.

       --crash-vt=VT
           Beim Systemabsturz auf eine bestimmte virtuelle Konsole (VT) umschalten. Akzeptiert
           eine positive Ganzzahl im Bereich 1–63 oder ein logisches Argument. Falls eine
           Ganzzahl übergeben wird, wird das VT, auf das umgeschaltet wird, ausgewählt. Falls
           yes, wird das VT ausgewählt, auf das die Kernelmeldungen geschrieben werden. Bei no
           wird keine VT-Umschaltung versucht. Dieser Schalter hat beim Betrieb als
           Benutzerinstanz keinen Effekt. Diese Einstellung kann auch während des Systemstarts
           auf der Kernelbefehlszeile mittels der Option systemd.crash_vt= aktiviert werden,
           siehe unten.

       --crash-shell
           Führt beim Systemabsturz eine Shell aus. Dieser Schalter hat beim Betrieb als
           Benutzerinstanz keinen Effekt. Diese Einstellung kann auch während des Systemstarts
           auf der Kernelbefehlszeile mittels der Option systemd.crash_shell= aktiviert werden,
           siehe unten.

       --crash-reboot
           Beim Systemabsturz automatisch das System neustarten. Dieser Schalter hat beim Betrieb
           als Benutzerinstanz keinen Effekt. Diese Einstellung kann auch während des
           Systemstarts auf der Kernelbefehlszeile mittels der Option systemd.crash_reboot=
           aktiviert werden, siehe unten.

       --confirm-spawn
           Beim Öffnen von Prozessen um Bestätigung bitten. Dieser Schalter hat beim Betrieb als
           Benutzerinstanz keinen Effekt.

       --show-status=
           Akzeptiert ein logisches Argument oder den besonderen Wert auto. Falls eingeschaltet,
           wird während des Hoch- und Runterfahrens des Systems eine knappe
           Unit-Start-Information angezeigt. Falls ausgeschaltet, werden keine solchen
           Statusinformationen angezeigt. Falls auf auto gesetzt ist, ist das Verhalten ähnlich
           des ausgeschalteten Zustands, außer dass sie automatisch eingeschaltet wird, sobald
           die erste Unit fehlschlägt oder eine deutliche Verzögerung beim Systemstart auftritt.
           Dieser Schalter hat beim Betrieb als Benutzerinstanz keinen Effekt. Falls angegeben,
           setzt sie sowohl die Kernelbefehlszeileneinstellung systemd.show_status= (siehe unten)
           als auch die Konfigurationsdateioption ShowStatus= außer Kraft, siehe
           systemd-system.conf(5).

       --log-target=
           Setzt das Protokollierziel. Argument muss entweder console, journal, kmsg,
           journal-or-kmsg oder null sein.

       --log-level=
           Setzt die Protokollierstufe. Als Argument wird eine numerische Protokollierstufe oder
           die gut bekannten symbolischen Namen von syslog(3) (in Kleinschreibung) akzeptiert:
           emerg, alert, crit, err, warning, notice, info, debug.

       --log-color=
           Wichtige Protokolliermeldungen hervorheben. Argument ist ein logischer Wert. Falls das
           Argument fehlt, ist die Vorgabe true.

       --log-location=
           Code-Stelle in Protokollnachrichten aufnehmen. Dies ist hauptsächlich für
           Fehlersuchzwecke relevant. Argument ist ein logischer Wert. Falls das Argument fehlt,
           ist die Vorgabe true.

       --default-standard-output=, --default-standard-error=
           Setzt die Standardausgabe oder Fehlerausgabe für alle Dienste bzw. Sockets. D.h.
           steuert die Vorgabe für StandardOutput= und StandardError= (siehe systemd.exec(5) für
           Details). Akzeptiert einen aus inherit, null, tty, journal, journal+console, syslog,
           syslog+console, kmsg, kmsg+console. Falls kein Argument angegeben wird, ist die
           Vorgabe für --default-standard-output= journal und für --default-standard-error=
           inherit.

       --machine-id=
           Setzt die Maschinenkenung auf der Festplatte außer Kraft. Dies ist für das Starten
           über Netz oder für Container nützlich. Kann nicht komplett auf Nullen gesetzt werden.

       --service-watchdogs=
           Global alle Dienste-Watchdog-Zeitüberschreitungen und Notfallaktionen
           aktivieren/deaktivieren. Diese Einstellung kann auch auf der Kernelbefehlszeile mit
           der Option systemd.service_watchdogs= während des Systemstarts festgelegt werden,
           siehe unten. Standardmäßig aktiviert.

       -h, --help
           Zeigt einen kurzen Hilfetext an und beendet das Programm.

       --version
           Zeigt eine kurze Versionszeichenkette an und beendet das Programm.

KONZEPTE

       Systemd stellt ein Abhängigkeitssystem zwischen verschiedenen Einheiten namens »Units« in
       11 verschiedenen Typen bereit. Units kapseln verschiedene Objekte, die für den Systemstart
       und -betrieb relevant sind. Der Großteil der Units wird in Unit-Konfigurationsdateien,
       deren Syntax und grundlegenden Menge an Optionen in systemd.unit(5) beschrieben ist,
       konfiguriert. Einige Units werden allerdings automatisch aus anderer Konfiguration,
       dynamisch aus Systemzuständen oder programmatisch zur Laufzeit erstellt. Units können
       »aktiv« (dies bedeutet gestartet, gebunden, eingesteckt, …, abhängig vom Unit-Typ, siehe
       unten) oder »inaktiv« (dies bedeutet gestoppt, nicht gebunden, ausgesteckt, … ) sowie im
       Prozess der Aktivierung oder Deaktivierung, d.h. zwischen den zwei Zuständen (diese
       Zustände werden »Aktivierung« und »Deaktivierung« genannt) sein. Ein besonderer Zustand
       »fehlgeschlagen« ist auch verfügbar, der sehr ähnlich zu »inaktiv« ist und der erreicht
       wird, wenn der Dienst auf irgendeine Art fehlgeschlagen ist (Prozess lieferte beim Beenden
       einen Fehlercode, ist abgestürzt, eine Aktion erlebte eine Zeitüberschreitung oder nach zu
       vielen Neustarts). Falls dieser Zustand erreicht wird, wird die Ursache für spätere
       Einsichtnahme protokolliert. Beachten Sie, dass die verschiedenen Unit-Typen eine Reihe
       von zusätzlichen Unterzuständen haben können, die auf die fünf hier beschriebenen
       generalisierten Unit-Zustände abgebildet werden.

       Die folgenden Unit-Typen sind verfügbar:

        1. Dienste-Units, die Daemons und die Prozesse, aus denen sie bestehen, starten und
           steuern. Für Details siehe systemd.service(5).

        2. Socket-Units, die lokale IPC- oder Netzwerk-Sockets in dem System kapseln, nützlich
           für Socket-basierte Aktivierung. Für Details über Socket-Units siehe
           systemd.socket(5), für Details über Socket-basierte Aktivierung und andere Formen der
           Aktivierung siehe daemon(7).

        3. Ziel-Units sind für die Gruppierung von Units nützlich. Sie stellen während des
           Systemstarts auch gut bekannte Synchronisationspunkte zur Verfügung, siehe
           systemd.target(5).

        4. Geräte-Units legen Kernel-Geräte in Systemd offen und können zur Implementierung
           Geräte-basierter Aktivierung verwandt werden. Für Details siehe systemd.device(5).

        5. Einhänge-Units steuern Einhängepunkte in dem Dateisystem, für Details siehe
           systemd.mount(5).

        6. Automount-Units stellen Automount-Fähigkeiten bereit, für bedarfsgesteuertes Einhängen
           von Dateisystemen sowie parallelisiertem Systemstart. Siehe systemd.automount(5).

        7. Zeitgeber-Units sind für das Auslösen der Aktivierung von anderen Units basierend auf
           Zeitgebern nützlich. Sie können Details in systemd.timer(5) finden.

        8. Auslagerungs-Units sind ähnlich zu Einhänge-Units und kapseln
           Speicherauslagerungspartitionen oder -dateien des Betriebssystems. Sie werden in
           systemd.swap(5) beschrieben.

        9. Pfad-Units können zur Aktivierung andere Dienste, wenn sich Dateisystemobjekte ändern
           oder verändert werden, verwandt werden. Siehe systemd.path(5).

       10. Scheiben-Units können zur Gruppierung von Units, die Systemprozesse (wie Dienste- und
           Bereichs-Units) in einem hierarchischen Baum aus Ressourcenverwaltungsgründen
           verwalten, verwandt werden. Siehe systemd.slice(5).

       11. Bereichs-Units sind ähnlich zu Dienste-Units, verwalten aber fremde Prozesse, statt
           sie auch zu starten. Siehe systemd.scope(5).

       Units werden wie ihre Konfigurationsdateien benannt. Einige Units habe besondere
       Semantiken. Eine detaillierte Liste ist in systemd.special(7) verfügbar.

       Systemd kennt verschiedene Arten von Abhängigkeiten, einschließlich positiven und
       negativen Bedingungsabhängigkeiten (d.h. Requires= und Conflicts=) sowie
       Ordnungsabhängigkeiten (After= und Before=). Wohlgemerkt: Ordnungs- und
       Bedingungsabhängigkeiten sind orthogonal. Falls zwischen zwei Units nur eine
       Bedingungsabhängigkeit (z.B. foo.service bedingt bar.service) aber keine
       Ordnungsabhängigkeit (z.B. foo.service nach bar.service) existiert und beide zum Start
       angefragt werden, werden sie parallel gestartet. Es ist ein häufiges Muster, dass sowohl
       Bedingungs- als auch Ordnungsabhängigkeiten zwischen zwei Units angelegt werden. Beachten
       Sie auch, dass die Mehrzahl der Abhängigkeiten von Systemd implizit erstellt und verwaltet
       werden. In den meisten Fällen sollte es unnötig sein, zusätzliche Abhängigkeiten manuell
       zu deklarieren, allerdings ist dies möglich.

       Anwendungsprogramme und Units (über Abhängigkeiten) können Statusänderungen von Units
       erbitten. In Systemd werden diese Anfragen als »Aufträge« gekapselt und in einer
       Aufträgewarteschlange verwaltet. Aufträge können erfolgreich sein und fehlschlagen, ihre
       Ausführungsreihenfolge basiert auf den Ordnungsabhängigkeiten der Units, für die sie
       eingeplant wurden.

       Beim Systemstart aktiviert Systemd die Ziel-Unit default.target, deren Aufgabe es ist, die
       bei-Systemstart-Dienste und andere bei-Systemstart-Units zu aktivieren, indem sie sie
       mittels Abhängigkeiten hereinzieht. Normalerweise ist der Unit-Name nur ein Alias
       (Symlink) für entweder graphical.target (für vollfunktionale Systemstarts in die UI) oder
       multi-user.target (für begrenzte, rein konsolenbasierte Systemstarts zur Verwendung in
       eingebetteten oder Server-Umgebungen oder ähnlichen, eine Untermenge von
       graphical.target). Es obliegt aber dem Administrator, sie als Alias zu jeder anderen
       Ziel-Unit zu konfigurieren. Siehe systemd.special(7) für Details über diese Ziel-Units.

       Systemd behält nur eine minimale Gruppe an Units im Speicher geladen. Konkret werden nur
       die Units im Speicher geladen gehalten, für die mindestens eine der nachfolgenden
       Bedingungen zutrifft:

        1. Sie ist in einem aktiven, aktivierenden, deaktivierenden oder fehlgeschlagenen Zustand
           (d.h. in jedem Zustand außer »inactive«)

        2. Für sie ist ein Auftrag in der Warteschlange

        3. Sie ist in irgendeiner Art eine Abhängigkeit von mindestens einer anderen im Speicher
           geladenen Unit

        4. Ihr ist noch irgendeine Form von Ressourcen zugewiesen (z.B. eine inaktive
           Dienste-Unit, für die aber ein Prozess noch herumlungert, der die Aufforderung zum
           Beenden ignorierte)

        5. Sie wurde durch einen D-Bus-Aufruf programmatisch im Speicher festgepinnt

       Systemd wird automatisch und implizit Units von der Platte laden — falls sie noch nicht
       geladen sind — sobald eine Aktion für sie angefordert wird. Daher ist in vielerlei
       Hinsicht die Tatsache, ob eine Unit geladen ist oder nicht, für Clients unsichtbar.
       Verwenden Sie systemctl list-units --all, um eine vollumfängliche Liste aller derzeit
       geladenen Units zu erhalten. Jede Unit, für die eine der oben aufgeführten Bedingungen
       zutrifft, wird sofort entladen. Beachten Sie, dass beim Entladen einer Unit aus dem
       Speicher die Buchführungsdaten auch entfernt werden. Allerdings sind diese Daten im
       Allgemeinen nicht verloren, da ein Journal-Protokolleintrag erstellt wird, der die
       verbrauchten Ressourcen deklariert, wann immer eine Unit herunterfährt.

       Prozesse, die Systemd startet, werden in einer privaten Systemd-Hierarchie in
       individuellen Control-Gruppen von Linux, die nach der Unit, zu der sie gehören, benannt
       sind, gelegt (siehe cgroups.txt[1] für weitere Informationen über Control-Gruppen oder
       kurz »cgroups«). Systemd verwendend dies, um Prozesse effektiv nachzuverfolgen.
       Control-Gruppen-Informationen werden im Kernel verwaltet und sind über die
       Dateisystemhierarchie (unterhalb von /sys/fs/cgroup/systemd/) oder über Werkzeuge wie
       systemd-cgls(1) oder ps(1) verfügbar. (ps xawf -eo pid,user,cgroup,args ist besonders
       nützlich, um alle Prozesse und die Systemd-Units, zu denen sie gehören, aufzulisten.)

       Systemd ist zu einem großen Teil zu SysV kompatibel: SysV-Init-Skripte werden unterstützt
       und werden einfach als ein alternatives (wenn auch begrenztes) Konfigurationsdateiformat
       verstanden. Die SysV-Schnittstelle /dev/initctl wird bereitgestellt und
       Kompatibilitätsimplementierungen der verschiedenen SysV-Client-Werkzeuge sind verfügbar.
       Zusätzlich werden verschiedene etablierte Unix-Funktionalitäten wie /etc/fstab oder die
       Utmp-Datenbank unterstützt.

       Systemd hat ein minimales Transaktionssystem: Falls eine Unit zum Start oder
       Herunterfahren aufgefordert wird, wird sie sich und alle Abhängigkeiten zu einer
       temporären Transaktion hinzufügen. Es wird dann nachweisen, dass die Transaktion
       konsistent ist (d.h. ob die Ordnung aller Units frei von Zyklen ist). Sollte dies nicht
       der Fall sein, wird Systemd versuchen, sie zu korrigieren und entfernt alle unwesentlichen
       Aufträge aus der Transaktion, die die Schleife entfernen könnten. Auch versucht Systemd,
       nicht wesentliche Aufträge in der Transaktion zu unterdrücken, die einen laufenden Dienst
       stoppen würden. Schließlich wird überprüft, ob die Aufträge der Transaktion Aufträgen
       widersprechen, die bereits in die Warteschlange eingereiht wurden, optional wird dann die
       Transaktion abgebrochen. Falls alles passt und die Transaktion konsistent in ihren
       Auswirkungen minimiert ist, wird sie mit bereits wartenden Aufträgen zusammengeführt und
       zu der Ausführungswarteschlange hinzugefügt. Effektiv bedeutet dies, dass Systemd vor der
       Ausführung einer angefragten Aktion überprüft, dass sie Sinn ergibt, sie falls möglich
       korrigiert und nur fehlschlägt, falls es wirklich nicht funktionieren kann.

       Beachten Sie, dass Transaktionen unabhängig vom Zustand einer Unit zur Laufzeit erstellt
       werden. Wird daher beispielsweise ein Startauftrag für eine bereits gestartete Unit
       angefordert, wird er dennoch eine Transaktion erstellen und alle inaktiven Abhängigkeiten
       aufwecken (und gemäß der definierten Abhängigkeiten eine Weiterleitung zu anderen
       Aufträgen verursachen). Dies erfolgt, da der in die Warteschlange eingereihte Auftrag zum
       Zeitpunkt der Ausführung mit dem Zustand der Ziel-Unit verglichen und als erfolgreich und
       abgeschlossen markiert wird, wenn beide zutreffen. Allerdings zieht dieser Auftrag auch
       andere Abhängigkeiten aufgrund der definierten Beziehungen herein und führt daher in
       unserem Beispiel dazu, dass Start-Aufträge für jede dieser inaktiven Units auch in die
       Warteschlange eingereiht werden.

       Systemd enthält native Implementierungen verschiedener Programme, die als Teil des
       Systemstartprozesses ausgeführt werden müssen. Beispielsweise setzt es den Rechnernamen
       und konfiguriert das Loopback-Netzwerkgerät. Es richtet auch die verschiedenen
       API-Dateisysteme, wie /sys oder /proc, ein und hängt sie ein.

       Für weitere Informationen über die Konzepte und Ideen hinter Systemd wird auf das
       Ursprüngliches Designdokument[2] verwiesen.

       Beachten Sie, dass einige, aber nicht alle, durch Systemd bereitgestellte Schnittstellen
       von der Schnittstellenstabilitätszusage[3] abgedeckt sind.

       Units können dynamisch zum Systemstartzeitpunkt und zum Systemverwalter-Neuladezeitpunkt
       erstellt werden, beispielsweise basierend auf anderen Konfigurationsdateien oder auf von
       der Kernelbefehlszeile übergebenen Parametern. Für Details siehe systemd.generator(7).

       Systeme, die Systemd in einem Container oder in einer Initrd-Umgebung aufrufen, sollten
       die Spezifikation Container-Schnittstelle[4] bzw. initrd-Schnittstelle[5] implementieren.

VERZEICHNISSE

       System-Unit-Verzeichnisse
           Der Systemd-Systemverwalter liest Unit-Konfigurationen aus verschiedenen
           Verzeichnissen. Pakete, die Unit-Dateien installieren möchten, sollten sie in dem
           durch pkg-config systemd --variable=systemdsystemunitdir zurückgelieferten Verzeichnis
           ablegen. Weitere geprüfte Verzeichnisse sind /usr/local/lib/systemd/system und
           /lib/systemd/system. Benutzerkonfiguration hat immer Vorrang. pkg-config systemd
           --variable=systemdsystemconfdir liefert den Pfad zu dem
           Systemkonfigurationsverzeichnis. Pakete sollten den Inhalt dieser Verzeichnisse mit
           den Befehlen enable und disable des Werkzeugs systemctl(1) verändern. Eine
           vollständige Auflistung von Verzeichnissen wird in systemd.unit(5) bereitgestellt.

       Benutzer-Unit-Verzeichnisse
           Ähnliche Regeln gelten für die Benutzer-Unit-Verzeichnisse. Allerdings wird hier der
           XDG-Basisverzeichnisspezifikation[6] zum Finden von Units gefolgt. Anwendungen sollten
           ihre Unit-Dateien in dem durch pkg-config systemd --variable=systemduserunitdir
           zurückgelieferten Verzeichnis ablegen. Globale Konfiguration erfolgt in dem durch
           pkg-config systemd --variable=systemduserconfdir gemeldeten Verzeichnis. Die Befehle
           enable und disable des Werkzeugs systemctl(1) können sowohl mit globaler (d.h. für
           alle Benutzer) als auch privater (für einen Benutzer) Freigabe/Ausschaltung von Units
           umgehen. Eine vollständige Auflistung von Verzeichnissen wird in systemd.unit(5)
           bereitgestellt.

       SysV-Init-Skripte-Verzeichnis
           Der Ort der SysV-Init-Skript-Verzeichnisse unterscheidet sich zwischen Distributionen.
           Falls Systemd für den angefragten Dienst keine native Unit-Datei finden kann, wird es
           nach einem SysV-Init-Skript des gleichen Namens (ohne die Endung .service) schauen.

       SysV-Runlevel-Linksammelverzeichnis
           Der Ort der SysV-Runlevel-Linksammelverzeichnisse unterscheidet sich zwischen
           Distributionen. Systemd wird die Linksammlung berücksichtigen, wenn es bestimmt, ob
           ein Dienst freigegeben werden soll. Beachten Sie, dass eine Dienste-Unit mit einer
           nativen Unit-Konfigurationsdatei nicht durch Aktivierung in der
           SysV-Runlevel-Linksammlung gestartet werden kann.

SIGNALE

       SIGTERM
           Nach Empfang dieses Signals serialisiert der Systemd-Systemverwalter seinen Zustand,
           führt sich selbst erneut aus und deseriealisiert den gespeicherten Zustand wieder.
           Dies ist größtenteils äquivalent zu systemctl daemon-reexec.

           Systemd-Benutzerverwalter werden die Unit exit.target starten, wenn dieses Signal
           empfangen wird. Dies ist größtenteils äquivalent zu systemctl --user start exit.target
           --job-mode=replace-irreversible.

       SIGINT
           Nach Empfang dieses Signals wird der Systemverwalter die Unit ctrl-alt-del.target
           starten. Dies ist größtenteils äquivalent zu systemctl start ctrl-alt-del.target
           --job-mode=replace-irreversible. Falls dieses Signal mehr als sieben Mal in zwei
           Sekunden empfangen wird, wird ein sofortiger Systemneustart ausgelöst. Beachten Sie,
           dass Drücken von Strg+Alt+Entf auf der Konsole dieses Signal auslösen wird. Hängt
           daher ein Neustart, ist das siebenmalige Drücken von Strg+Alt+Entf in zwei Sekunden
           eine relativ sichere Art, einen sofortigen Neustart auszulösen.

           Systemd-Benutzerverwalter behandeln dieses Signal auf die gleiche Art wie SIGTERM.

       SIGWINCH
           Wenn dieses Signal empfangen wird, startet der Systemd-Systemverwalter die Unit
           kbrequest.target. Dies ist größtenteils äquivalent zu systemctl start
           kbrequest.target.

           Dieses Signal wird von Systemd-Benutzerverwaltern ignoriert.

       SIGPWR
           Wenn dieses Signal empfangen wird, startet der Systemd-Systemverwalter die Unit
           sigpwr.target. Dies ist größtenteils äquivalent zu systemctl start sigpwr.target.

       SIGUSR1
           Wenn dieses Signal empfangen wird, versucht der Systemd-Systemverwalter, sich erneut
           mit dem D-Bus-Bus zu verbinden.

       SIGUSR2
           Wenn dieses Signal empfangen wird, protokolliert der Systemd-Systemverwalter seinen
           kompletten Zustand in menschenlesbarer Form. Die protokollierten Daten sind identisch
           zu den von systemd-analyze dump ausgegebenen.

       SIGHUP
           Lädt die komplette Daemon-Konfiguration neu. Dies ist größtenteils äquivalent zu
           systemctl daemon-reload.

       SIGRTMIN+0
           Betritt den Standardmodus, startet die Unit default.target. Dies ist größtenteils
           äquivalent zu systemctl isolate default.target.

       SIGRTMIN+1
           Betritt den Rettungsmodus, startet die Unit rescue.target. Dies ist größtenteils
           äquivalent zu systemctl isolate rescue.target.

       SIGRTMIN+2
           Betritt den Notfallmodus, startet die Unit emergency.service. Dies ist größtenteils
           äquivalent zu systemctl isolate emergency.service.

       SIGRTMIN+3
           Hält die Maschine an, startet die Unit halt.target. Dies ist größtenteils äquivalent
           zu systemctl start halt.target --job-mode=replace-irreversible.

       SIGRTMIN+4
           Schaltet die Maschine aus, startet die Unit poweroff.target. Dies ist größtenteils
           äquivalent zu systemctl start poweroff.target --job-mode=replace-irreversible.

       SIGRTMIN+5
           Startet die Maschine neu, startet die Unit reboot.target. Dies ist größtenteils
           äquivalent zu systemctl start reboot.target --job-mode=replace-irreversible.

       SIGRTMIN+6
           Startet die Maschine mittels kexec neu, startet die Unit kexec.target. Dies ist
           größtenteils äquivalent zu systemctl start kexec.target
           --job-mode=replace-irreversible.

       SIGRTMIN+13
           Hält die Maschine sofort an.

       SIGRTMIN+14
           Schaltet die Maschine sofort aus.

       SIGRTMIN+15
           Startet die Maschine sofort neu.

       SIGRTMIN+16
           Startet die Maschine sofort mit kexec neu.

       SIGRTMIN+20
           Aktiviert die Anzeige von Statusmeldungen auf der Konsole, wie dies mit
           systemd.show_status=1 auf der Kernelbefehlszeile gesteuert wird.

       SIGRTMIN+21
           Deaktiviert die Anzeige von Statusmeldungen auf der Konsole, wie dies mit
           systemd.show_status=0 auf der Kernelbefehlszeile gesteuert wird.

       SIGRTMIN+22
           Setzt die Protokollierstufe des Diensteverwalters auf »debug«, in einer Art, die
           äquivalent zu systemd.log_level=debug auf der Kernelbefehlszeile ist.

       SIGRTMIN+23
           Stellt die Protokollierstufe wieder auf ihren konfigurierten Wert her. Der
           konfigurierte Wert wird, in dieser Prioritätsreihenfolge, von dem mit
           systemd.log-level= auf der Kernelbefehlszeile festgelegten Wert oder dem mit LogLevel=
           in der Konfigurationsdatei festgelegten Wert oder dem eingebauten Wert »info«
           abgeleitet.

       SIGRTMIN+24
           Verlässt den Verwalter sofort (nur für --user-Instanzen verfügbar).

       SIGRTMIN+26
           Stellt das Protokollierziel wieder auf seinen konfigurierten Wert her. Der
           konfigurierte Wert wird, in dieser Prioritätsreihenfolge, von dem mit
           systemd.log-target= auf der Kernelbefehlszeile festgelegten Wert oder dem mit
           LogTarget= in der Konfigurationsdatei festgelegten Wert oder dem eingebauten Wert
           abgeleitet.

       SIGRTMIN+27, SIGRTMIN+28
           Setzt das Protokollierziel auf »console« bei SIGRTMIN+27 (oder »kmsg« bei
           SIGRTMIN+28), in einer Art äquivalent zu systemd.log_target=console (oder
           systemd.log_target=kmsg bei SIGRTMIN+28) auf der Kernelbefehlszeile.

UMGEBUNGSVARIABLEN

       $SYSTEMD_LOG_LEVEL
           Systemd liest die Protokollierstufe aus dieser Umgebungsvariablen. Dies kann mit
           --log-level= außer Kraft gesetzt werden.

       $SYSTEMD_LOG_TARGET
           Systemd liest das Protokollierziel aus dieser Umgebungsvariablen. Dies kann mit
           --log-target= außer Kraft gesetzt werden.

       $SYSTEMD_LOG_COLOR
           Steuert, ob Systemd wichtige Protokollnachrichten hervorhebt. Dies kann mit
           --log-color= außer Kraft gesetzt werden.

       $SYSTEMD_LOG_LOCATION
           Steuert, ob Systemd den Code-Ort zusammen mit der Protokollnachricht ausgibt. Dies
           kann mit --log-location= außer Kraft gesetzt werden.

       $XDG_CONFIG_HOME, $XDG_CONFIG_DIRS, $XDG_DATA_HOME, $XDG_DATA_DIRS
           Der Systemd-Benutzerverwalter verwendet diese Variablen in Übereinstimmung mit der
           XDG-Basisverzeichnisspezifikation[6], um seine Konfiguration zu finden.

       $SYSTEMD_UNIT_PATH
           Steuert, wo Systemd nach Unit-Dateien schaut.

       $SYSTEMD_SYSVINIT_PATH
           Steuert, wo Systemd nach SysV-Init-Skripten schaut.

       $SYSTEMD_SYSVRCND_PATH
           Steuert, wo Systemd nach SysV-Init-Skript-Runlevel-Linksammlungen schaut.

       $SYSTEMD_COLORS
           Dies muss ein logischer Wert sein. Steuert, ob gefärbte Ausgabe erstellt werden soll.
           Dies kann festgelegt werden, um die Entscheidung, die systemd basierend auf $TERM und
           mit welcher Konsole es verbunden ist, trifft, außer Kraft zu setzen.

       $SYSTEMD_URLIFY
           Dies muss ein logischer Wert sein. Steuert, ob anklickbare Links in der Ausgabe für
           Terminalemulatoren, die dies unterstützen, erstellt werden sollen. Dies kann
           festgelegt werden, um die Entscheidung, die systemd basierend auf $TERM und weiteren
           Bedingungen trifft, außer Kraft zu setzen.

       $LISTEN_PID, $LISTEN_FDS, $LISTEN_FDNAMES
           Wird durch Systemd für überwachte Prozesse während Socket-basierter Aktivierung
           gesetzt. Siehe sd_listen_fds(3) für weitere Informationen.

       $NOTIFY_SOCKET
           Wird durch Systemd für überwachte Prozesse für Status- und
           Hochfahrabschlussbenachrichtigungen gesetzt. Siehe sd_notify(3) für weitere
           Informationen.

       Für weitere Umgebungsvariablen, die von Systemd und seinen verschiedenen Komponenten
       verstanden werden, siehe Bekannte Umgebungsvariablen[7].

KERNEL-BEFEHLSZEILE

       Beim Betrieb als Systeminstanz wertet Systemd eine Reihe von Kernelbefehlszeilenargumenten
       aus[8]:

       systemd.unit=, rd.systemd.unit=
           Setzt die beim Systemstart zu aktivierende Unit außer Kraft. Standardmäßig
           default.target. Dies kann temporär zum Starten in eine andere Systemstart-Unit
           verwandt werden, beispielsweise rescue.target oder emergency.service. Siehe
           systemd.special(7) für Details über diese Units. Wird der Option »rd.« vorangestellt,
           dann wird sie nur in der anfänglichen RAM-Platte (Initrd) berücksichtigt, während die
           Option ohne diese Zeichenkette am Anfang nur im Hauptsystem berücksichtigt wird.

       systemd.dump_core
           Akzeptiert ein logisches Argument oder aktiviert die Option, falls ohne Argument
           festgelegt. Falls aktiviert, wird der Systemverwalter (PID 1) einen Speicherauszug
           schreiben, wenn er abstürzt. Andernfalls wird kein Speicherauszug erstellt.
           Standardmäßig aktiviert.

       systemd.crash_chvt
           Akzeptiert eine positive Ganzzahl oder ein logisches Argument. Kann auch ohne Argument
           festgelegt werden; dies hat den gleichen Effekt wie ein positiver logischer Wert.
           Falls eine positive Ganzzahl (im Bereich 1…63) festgelegt ist, wird der
           Systemverwalter (PID 1) die festgelegte Anzahl an virtuellen Terminals (VTs)
           erstellen, wenn er abstürzt. Standardmäßig deaktiviert, was bedeutet, dass dies nicht
           versucht wird. Falls auf aktiviert gesetzt, wird der VT, auf den die Kernelnachrichten
           geschrieben werden, ausgewählt.

       systemd.crash_shell
           Akzeptiert ein logisches Argument oder aktiviert die Option, falls ohne Argument
           festgelegt. Falls aktiviert, wird der Systemverwalter (PID 1) nach einer Verzögerung
           von 10 Sekunden eine Shell starten, wenn er abstürzt. Andernfalls wird keine Shell
           gestartet. Aus Sicherheitsgründen standardmäßig deaktiviert, da die Shell nicht durch
           Passwortauthentifizierung geschützt ist.

       systemd.crash_reboot
           Akzeptiert ein logisches Argument oder aktiviert die Option, falls ohne Argument
           festgelegt. Falls aktiviert, wird der Systemverwalter (PID 1) nach einer Verzögerung
           von 10 Sekunden die Maschine neustarten, wenn er abstürzt. Andernfalls wird das System
           unbegrenzt hängen. Standardmäßig deaktiviert, um eine Neustartschleife zu verhindern.
           Falls mit systemd.crash_shell kombiniert, wird das System neu gestartet, nachdem die
           Shell sich beendet.

       systemd.confirm_spawn
           Akzeptiert ein logisches Argument oder einen Pfad zu einer virtuellen Konsole, auf der
           Bestätigungsmeldungen ausgegeben werden sollen. Kann auch ohne Argument festgelegt
           werden; dies hat den gleichen Effekt wie ein positiver logischer Wert. Falls
           aktiviert, wird der Systemverwalter (PID 1) um Bestätigung bitten, wenn er einen
           Prozess mittels /dev/console startet. Falls ein Pfad oder Konsolename (wie »ttyS0«)
           bereitgestellt wird, wird stattdessen die durch diesen Pfad angezeigte virtuelle
           Konsole oder durch den übergebenen Namen beschriebene stattdessen verwandt.
           Standardmäßig deaktiviert.

       systemd.service_watchdogs=
           Akzeptiert ein logisches Argument. Falls deaktiviert, werden alle Laufzeit-Watchdogs
           für Dienste (WatchdogSec=) und Notfallaktionen (z.B. OnFailure= oder
           StartLimitAction=) durch den Systemverwalter (PID 1) ignoriert, siehe
           systemd.service(5). Standardmäßig deaktiviert, d.h. Watchdogs und Fehlschlagaktionen
           werden normal verarbeitet. Der Hardware-Watchdog ist durch diese Option nicht
           betroffen.

       systemd.show_status
           Akzeptiert ein logisches Argument oder die Konstante auto. Kann auch ohne Argument
           festgelegt werden; dies hat den gleichen Effekt wie ein positiver logischer Wert.
           Falls aktiviert, wird der Systemverwalter (PID 1) auf der Konsole beim Systemstart
           knappe Dienstestatusaktualisierungen anzeigen. auto verhält sich wie false, bis eine
           Unit fehlschlägt oder es beim Systemstart zu signifikanten Verzögerungen kommt.
           Standardmäßig aktiviert, außer quiet wird als Kernelbefehlszeilenoption angegeben. In
           letzterem Fall ist die Vorgabe auto. Ist dies festgelegt, setzt es die
           Konfigurationsdateioption ShowStatus= des Systemverwalters außer Kraft, siehe
           systemd-system.conf(5). Allerdings hat die Prozessbefehlszeilenoption --show-status=
           Vorrang vor sowohl dieser Kernelbefehlszeilenoption als auch der
           Konfigurationsdateioption.

       systemd.log_target=, systemd.log_level=, systemd.log_location=, systemd.log_color
           Steuert die Protokollausgabe, mit dem gleichen Effekt wie die oben beschriebenen
           Umgebungsvariablen $SYSTEMD_LOG_TARGET, $SYSTEMD_LOG_LEVEL, $SYSTEMD_LOG_LOCATION,
           $SYSTEMD_LOG_COLOR. systemd.log_color kann ohne Argumente festgelegt werden; dies hat
           den gleichen Effekt wie ein positiver logischer Wert.

       systemd.default_standard_output=, systemd.default_standard_error=
           Steuert die Vorgabe-Standardausgabe und -Fehlerausgabe für Dienste, mit dem gleichen
           Effekt wie die oben beschriebenen Befehlszeilenargumente --default-standard-output=
           bzw. --default-standard-error=.

       systemd.setenv=
           Akzeptiert ein Zeichenkettenargument in der Form VARIABLE=WERT. Kann zum Setzen der
           Standardumgebungsvariablen, die mit Fork erstellten Kindern hinzugefügt werden sollen,
           verwandt werden. Kann mehr als einmal verwandt werden, um mehrere Variablen zu setzen.

       systemd.machine_id=
           Akzeptiert einen 32-Zeichen-Hexadezimalwert zum Setzen der Maschinenkennung.
           Hauptsächlich für den Systemstart über das Netzwerk gedacht, bei dem die gleiche
           Maschinenkennung für jeden Systemstart erwünscht ist.

       systemd.unified_cgroup_hierarchy
           Wird das ohne Argument oder mit einem wahren Argument festgelegt, aktiviert dies die
           Verwendung der vereinigten Cgroup-Hierarchie[9] (auch als cgroups-v2 bekannt). Wird es
           mit einem falschen Argument festgelegt, wird es auf hybride oder die komplette
           veraltete Cgroup-Hierarchie zurückfallen.

           Falls diese Option nicht festgelegt ist, wird das Standardverhalten während der
           Kompilierung (mit der Meson-Option -Ddefault-hierarchy=) bestimmt. Falls der Kernel
           die vereinigte Cgroup-Hierarchie nicht unterstützt, wird die alte Hierarchie verwandt,
           selbst wenn diese Option festgelegt ist.

       systemd.legacy_systemd_cgroup_controller
           Wird wirksam, falls die komplette vereinigte Cgroup-Hierarchie nicht verwandt wird
           (siehe vorherige Option). Deaktiviert die »hybride« Cgroup-Hierarchie (d.h. eines von
           Systemd verwandten cgroups-v2-Baumes und der alten Cgroup-Hierarchie[10], für andere
           Controller auch als cgroups-v1 bekannt), falls ohne oder mit einem wahren Argument
           festgelegt und erzwingt den vollständigen »alten« Modus. Aktiviert die Verwendung der
           »hybriden« Hierarchie, falls mit einem falschen Argument festgelegt.

           Falls diese Option nicht festgelegt ist, wird das Standardverhalten während der
           Kompilierung (mit der Meson-Option -Ddefault-hierarchy=) bestimmt. Falls der Kernel
           die vereinigte Cgroup-Hierarchie nicht unterstützt, wird die alte Hierarchie verwandt,
           selbst wenn diese Option festgelegt ist.

       quiet
           Schaltet Statusausgaben beim Systemstart aus, ähnlich wie dies systemd.show_status=no
           täte. Beachten Sie, dass diese Option auch vom Kernel selbst gelesen wird und
           Kernelprotokollierungsausgaben deaktiviert. Die Übergabe dieser Option schaltet daher
           die normale Ausgabe sowohl vom Systemverwalter als auch dem Kernel aus.

       debug
           Schaltet den Fehlersuchmodus ein. Dies ist äquivalent zu systemd.log_level=debug.
           Beachten Sie, dass diese Option auch vom Kernel selbst gelesen wird und die
           Kernel-Fehlersuchausgabe aktiviert. Die Übergabe dieser Option schaltet daher die
           Fehlersuchausgabe sowohl vom Systemverwalter als auch des Kernels ein.

       emergency, rd.emergency, -b
           Systemstart in den Notfallmodus. Dies ist zu systemd.unit=emergency.target bzw.
           rd.systemd.unit=emergency.target äquivalent und wird aus Kompatibilitätsgründen und da
           es leichter zu tippen ist, bereitgestellt.

       rescue, rd.rescue, single, s, S, 1
           Systemstart in den Rettungsmodus. Dies ist zu systemd.unit=rescue.target bzw.
           rd.systemd.unit=rescue.target äquivalent und wird aus Kompatibilitätsgründen und da es
           leichter zu tippen ist, bereitgestellt.

       2, 3, 4, 5
           Systemstart in den festgelegten veralteten SysV-Runlevel. Dies ist zu
           systemd.unit=runlevel2.target, systemd.unit=runlevel3.target,
           systemd.unit=runlevel4.target bzw. systemd.unit=runlevel5.target äquivalent und wird
           aus Kompatibilitätsgründen und da es leichter zu tippen ist, bereitgestellt.

       locale.LANG=, locale.LANGUAGE=, locale.LC_CTYPE=, locale.LC_NUMERIC=, locale.LC_TIME=,
       locale.LC_COLLATE=, locale.LC_MONETARY=, locale.LC_MESSAGES=, locale.LC_PAPER=,
       locale.LC_NAME=, locale.LC_ADDRESS=, locale.LC_TELEPHONE=, locale.LC_MEASUREMENT=,
       locale.LC_IDENTIFICATION=
           Setzt die zu verwendende System-Locale. Dies setzt die Einstellungen in
           /etc/locale.conf außer Kraft. Für weitere Informationen siehe locale.conf(5) und
           locale(7).

       Für weitere von Komponenten des Kernbetriebssystems verstandene
       Kernelbefehlszeilenparameter siehe kernel-command-line(7).

SOCKETS UND FIFOS

       /run/systemd/notify
           Daemon-Statusbenachrichtigungs-Socket. Dies ist ein AF_UNIX-Datagram-Socket, das zur
           Implementierung der Benachrichtigungslogik des Daemons mit sd_notify(3) verwandt wird.

       /run/systemd/private
           Wird intern als Kommunikationskanal zwischen systemctl(1) und dem Systemd-Prozess
           verwandt. Dies ist ein AF_UNIX-Stream-Socket. Diese Schnittstelle ist für Systemd
           privat und sollte in externen Projekten nicht verwandt werden.

       /dev/initctl
           Eingeschränkte Kompatibilitätsunterstützung für SysV-Client-Schnittstellen, wie sie
           von der Unit systemd-initctl.service implementiert wird. Dies ist eine benannte Pipe
           im Dateisystem. Diese Schnittstelle ist veraltet und sollte in neuen Anwendungen nicht
           verwandt werden.

SIEHE AUCH

       Die Systemd-Homepage[11], systemd-system.conf(5), locale.conf(5), systemctl(1),
       journalctl(1), systemd-notify(1), daemon(7), sd-daemon(3), systemd.unit(5),
       systemd.special(5), pkg-config(1), kernel-command-line(7), bootup(7),
       systemd.directives(7)

ANMERKUNGEN

        1. cgroups.txt
           https://www.kernel.org/doc/Documentation/cgroup-v1/cgroups.txt

        2. Ursprüngliches Designdokument
           http://0pointer.de/blog/projects/systemd.html

        3. Schnittstellenstabilitätszusage
           https://www.freedesktop.org/wiki/Software/systemd/InterfaceStabilityPromise

        4. Container-Schnittstelle
           https://www.freedesktop.org/wiki/Software/systemd/ContainerInterface

        5. Initrd-Schnittstelle
           https://www.freedesktop.org/wiki/Software/systemd/InitrdInterface

        6. XDG-Basisverzeichnisspezifikation
           http://standards.freedesktop.org/basedir-spec/basedir-spec-latest.html

        7. Bekannte Umgebungsvariablen
           https://systemd.io/ENVIRONMENT

        8. Falls innerhalb eines Linux-Containers ausgeführt, können diese Argumente als
           Befehlszeilenargumente an Systemd selbst übergeben werden, neben allen anderen
           Befehlszeilenoptionen, die in dem obigen Abschnitt »Optionen« aufgeführt sind. Falls
           außerhalb von Linux-Containern ausgeführt, werden diese Argumente stattdessen aus
           /proc/cmdline ausgewertet.

        9. Vereinigte Cgroup-Hierarchie
           https://www.kernel.org/doc/Documentation/cgroup-v2.txt

       10. Alte Cgroup-Hierarchie
           https://www.kernel.org/doc/Documentation/cgroup-v1/

       11. Systemd-Homepage
           https://www.freedesktop.org/wiki/Software/systemd/

ÜBERSETZUNG

       Die deutsche Übersetzung dieser Handbuchseite wurde von Helge Kreutzmann
       <debian@helgefjell.de> erstellt.

       Diese Übersetzung ist Freie Dokumentation; lesen Sie die GNU General Public License
       Version 3 oder neuer bezüglich der Copyright-Bedingungen. Es wird KEINE HAFTUNG
       übernommen.

       Wenn Sie Fehler in der Übersetzung dieser Handbuchseite finden, schicken Sie bitte eine E-
       Mail an <debian-l10n-german@lists.debian.org>.