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BEZEICHNUNG

       readdir - liest ein Verzeichnis

ÜBERSICHT

       #include <dirent.h>

       struct dirent *readdir(DIR *dirp);

BESCHREIBUNG

       Die  Funktion  readdir()  liefert einen Zeiger auf eine dirent-Struktur zurück, welche den
       nächsten Eintrag in dem Verzeichnis-Stream  darstellt,  auf  das  dirp  weist.  Falls  das
       Dateiende erreicht wurde oder ein Fehler auftrat, wird ein NULL-Zeiger zurückgegeben.

       In der Glibc-Implementierung ist die Struktur dirent wie folgt definiert:

           struct dirent {
               ino_t          d_ino;       /* Inode-Nummer */
               off_t          d_off;       /* kein Offset; siehe ANMERKUNGEN */
               unsigned short d_reclen;    /* Länge dieses Datensatzes */
               unsigned char  d_type;      /* Dateityp; nicht von allen
                                              Dateisystemtypen unterstützt */
              char            d_name[256]; /* Null-terminierter Dateiname */
           };

       POSIX.1  fordert in der dirent-Struktur lediglich die Felder d_name und d_ino. Die anderen
       Felder sind nicht standardisiert  und  nicht  auf  allen  Systemen  vorhanden;  siehe  die
       folgenden ANMERKUNGEN für einige weitere Details.

       Die Felder der Struktur dirent sind wie folgt definiert:

       d_ino  Dies ist die Inode-Nummer der Datei.

       d_off  Der  in  d_off  zurückgegebene  Wert  ist  der  gleiche, als wenn telldir(3) an der
              aktuellen Position im Verzeichnis-Stream aufgerufen  werden  würde.  Beachten  Sie,
              dass ungeachtet des Typs und Namens das d_off-Feld in modernen Dateisystemen selten
              ein Verzeichnis-Offset irgendeiner Art ist. Anwendungen  sollten  dieses  Feld  als
              verdeckten Wert auffassen und keine Vermutungen über dessen Inhalt anstellen; siehe
              auch telldir(3).

       d_reclen
              Dies ist die Größe (in Bytes) des zurückgelieferten Datensatzes.  Dies  könnte  auf
              die Größe der oben gezeigten Strukturdefinition nicht passen; siehe ANMERKUNGEN.

       d_type Dieses  Feld  enthält einen Wert, der den Dateityp anzeigt und es damit ermöglicht,
              die Kosten für den Aufruf von lstat(2) zu vermeiden, falls weitere Aktionen von dem
              Dateityp abhängen.

              Falls ein geeignetes Feature-Test-Makro (_DEFAULT_SOURCE unter Glibc-Versionen seit
              2.19  oder  _BSD_SOURCE  unter  Glibc-Versionen  2.19  und  älter)  definiert  ist,
              definiert  Glibc  die folgenden Makrokonstanten für den in d_type zurückgelieferten
              Wert:

              DT_BLK      Dies ist ein blockorientiertes Gerät.

              DT_CHR      Dies ist ein zeichenorientiertes Gerät.

              DT_DIR      Dies ist ein Verzeichnis.

              DT_FIFO     Dies ist ein FIFO (eine benannte Pipe).

              DT_LNK      Dies ist ein symbolischer Link.

              DT_REG      Dies ist eine reguläre Datei.

              DT_SOCK     Dies ist ein UNIX Domain Socket.

              DT_UNKNOWN  Der Dateityp konnte nicht ermittelt werden.

              Derzeit unterstützen nur ein paar Dateisysteme  (darunter  Btrfs,  ext2,  ext3  und
              ext4) die Rückgabe des Dateityps in d_type vollständig. Alle Anwendungen müssen mit
              dem Rückgabewert DT_UNKNOWN umgehen können.

       d_name Dieses Feld enthält den Null-terminierten Dateinamen. Siehe ANMERKUNGEN.

       Die von readdir() zurückgegebenen Daten können bei nachfolgenden  Aufrufen  von  readdir()
       für den gleichen Verzeichnis-Stream überschrieben werden.

RÜCKGABEWERT

       Nach  erfolgreichem Abschluss gibt readdir() einen Zeiger auf eine dirent-Struktur zurück.
       (Diese Struktur kann  statisch  bereitgestellt  worden  sein;  versuchen  Sie  nicht,  den
       Speicher mittels free(3) freizugeben.)

       Falls  das Ende des Verzeichnis-Streams erreicht wird, ist der Rückgabewert NULL und errno
       wird nicht geändert. Wenn ein Fehler eintritt, wird  NULL  zurückgegeben  und  errno  wird
       entsprechend  gesetzt.  Um  das Ende des Streams von einem Fehler zu unterscheiden, setzen
       Sie vor dem Aufruf von readdir() errno auf Null und prüfen dann den Wert von errno,  falls
       NULL zurückgeliefert wurde.

FEHLER

       EBADF  Unzulässiger Deskriptor für den Verzeichnis-Stream dirp.

ATTRIBUTE

       Siehe attributes(7) für eine Erläuterung der in diesem Abschnitt verwandten Ausdrücke.

       ┌──────────────┬───────────────────────┬──────────────────────────┐
       │SchnittstelleAttributWert                     │
       ├──────────────┼───────────────────────┼──────────────────────────┤
       │readdir()     │ Multithread-Fähigkeit │ MT-Unsafe race:dirstream │
       └──────────────┴───────────────────────┴──────────────────────────┘

       In  der  aktuellen POSIX.1-Spezifikation (POSIX.1-2008) muss readdir() nicht Thread-sicher
       sein. Bei  modernen  Implementierungen  (einschließlich  der  Glibc-Implementierung)  sind
       gleichzeitige  Aufrufe  von  readdir(),  die  verschiedene  Verzeichnis-Streams festlegen,
       Thread-sicher. In Fällen, in denen mehrere Threads vom gleichen  Verzeichnis-Stream  lesen
       müssen,  wird  die  Verwendung  von readdir() mit externere Synchronisation immer noch der
       Verwendung  der  veralteten  Funtion  readdir_r(3)  vorgezogen.  Es  wird  erwartet,  dass
       zukünftige  Versionen von POSIX.1 verlangen werden, dass readdir() Thread-sicher ist, wenn
       es parallel auf verschiedene Verzeichnis-Streams angewandt wird.

KONFORM ZU

       POSIX.1-2001, POSIX.1-2008, SVr4, 4.3BSD.

ANMERKUNGEN

       Ein Verzeichnis-Stream wurde mittels opendir(3) geöffnet.

       Die Reihenfolge, in der Dateinamen durch sukzessive Aufrufe von readdir() gelesen  werden,
       hängt von der Dateisystemimplementierung ab; es ist daher unwahrscheinlich, dass die Namen
       in irgendeiner Weise sortiert sein werden.

       Von POSIX.1 werden nur die Felder d_name  und  (als  XSI-Erweiterung)  d_ino  beschrieben.
       Neben  Linux  ist das Feld d_type hauptsächlich auf BSD-Systemen verfügbar. Die restlichen
       Felder sind auf vielen, aber nicht allen Systemen verfügbar. Unter Glibc können  Programme
       die  Verfügbarkeit  der  nicht  von POSIX.1 definierten Felder überprüfen. Dazu müssen sie
       prüfen, ob die  Makros  _DIRENT_HAVE_D_NAMLEN,  _DIRENT_HAVE_D_RECLEN,  _DIRENT_HAVE_D_OFF
       oder _DIRENT_HAVE_D_TYPE definiert sind.

   Das Feld d_name
       Die  oben  gezeigte  Strukturdefinition  dirent stammt aus den Glibc-Headern und zeigt das
       Feld d_name mit einer festen Größe.

       Warnung: Anwendungen sollten Abhängigkeiten von der Größe  des  Feldes  d_name  vermeiden.
       POSIX  definiert  es  als  char d_name[],  ein  Zeichenfeld  von  unbestimmter  Größe, mit
       höchstens NAME_MAX Zeichen vor dem abschließenden Null-Byte ('\0').

       POSIX.1 bemerkt explizit, dass dieses Feld nicht als  Lvalue  verwandt  werden  soll.  Der
       Standard  merkt  auch  an,  dass  die  Verwendung  von  sizeof(d_name)  nicht korrekt ist;
       verwenden Sie stattdessen strlen(d_name).  (Auf  einigen  Systemen  ist  dieses  Feld  als
       char d_name[1]  definiert!)  Daraus  ergibt  sich,  dass  die Verwendung von sizeof(struct
       dirent) zu Ermittlung der Größe des Datensatze einschließlich der Größe  von  d_name  auch
       nicht korrekt ist.

       Beachten Sie, dass obwohl der Aufruf

           fpathconf(fd, _PC_NAME_MAX)

       für  die  meisten Dateisysteme den Wert 255 zurückliefert, auf einigen Dateisystemen (z.B.
       CIFS und Windows-SMB-Servern) der  Null-terminierte  Dateiname,  der  (korrekterweise)  in
       d_name  zurückgeliefert wird, diese Größe tatsächlich überschreiten kann. In diesen Fällen
       wird  das  Feld  d_reclen  einen  Wert  enthalten,  der  die  Größe  der  oben   gezeigten
       Glibc-Struktur dirent überschreitet.

SIEHE AUCH

       getdents(2),    read(2),   closedir(3),   dirfd(3),   ftw(3),   offsetof(3),   opendir(3),
       readdir_r(3), rewinddir(3), scandir(3), seekdir(3), telldir(3)

KOLOPHON

       Diese Seite  ist  Teil  der  Veröffentlichung  4.16  des  Projekts  Linux-man-pages.  Eine
       Beschreibung  des  Projekts,  Informationen,  wie  Fehler gemeldet werden können sowie die
       aktuelle Version dieser Seite finden sich unter https://www.kernel.org/doc/man-pages/.

ÜBERSETZUNG

       Die   deutsche   Übersetzung   dieser   Handbuchseite   wurde    von    Markus    Kaufmann
       <markus.kaufmann@gmx.de>,  Martin  Eberhard  Schauer  <Martin.E.Schauer@gmx.de>  und Helge
       Kreutzmann <debian@helgefjell.de> erstellt.

       Diese Übersetzung ist Freie Dokumentation;  lesen  Sie  die  GNU  General  Public  License
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                                        15. September 2017                             READDIR(3)