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BEZEICHNUNG

       os-release - Betriebssystemidentifikation

ÜBERSICHT

       /etc/os-release

       /usr/lib/os-release

BESCHREIBUNG

       Die Dateien /etc/os-release und /usr/lib/os-release enthalten
       Betriebssystemidentifizierungsdaten.

       Das grundlegende Dateiformat von os-release ist eine durch Zeilenumbrüche getrennte Liste
       von umgebungsartigen, Shell-kompatiblen Variablenzuweisungen. Es ist möglich, die
       Konfiguration aus Shell-Skripten einzulesen, allerdings werden außer einfachen
       Variablenzuweisungen keine Shell-Funktionalitäten unterstützt. (Das bedeutet,
       Variablenexpansion wird explizit nicht unterstützt). Damit wird Anwendungen erlaubt, die
       Datei einzulesen, ohne eine Shell-kompatible Ausführungseinheit zu implementieren.
       Variablenzuweisungen müssen in doppelte oder einzelne englische Anführungszeichen
       eingeschlossen werden, falls sie Leerzeichen, Semikola oder andere besondere Zeichen
       außerhalb von A–Z, a–z, 0–9 enthalten. Besondere Zeichen der Shell (»$«,
       Anführungszeichen, Rückwärtsschrägstrich, Gravis) müssen im Shell-Stil mit
       Rückwärtsschrägstrichen geschützt werden. Alle Zeichenketten sollten im UTF-8-Format sein
       und nicht druckbare Zeichen sollten nicht verwandt werden. Die Aneinanderreihung
       individueller Zeichenketten in Anführungszeichen wird nicht unterstützt. Zeilen, die mit
       »#« beginnen, müssen als Kommentar ignoriert werden. Leere Zeilen sind erlaubt und werden
       ignoriert.

       Die Datei /etc/os-release hat vor /usr/lib/os-release Vorrang. Anwendungen sollten auf
       erstere prüfen und deren Daten exklusiv nutzen, falls sie exsitiert, und nur auf
       /usr/lib/os-release zurückfallen, falls sie fehlt. Anwendungen sollten nicht aus beiden
       Dateien gleichzeitig Daten auslesen. /usr/lib/os-release ist der bevorzugte Ort, um
       Betriebssystemveröffentlichungsinformationen wie Teile des Lieferantenbaums abzulegen.
       /etc/os-release sollte ein relativer Symlink auf /usr/lib/os-release sein, um
       Kompatibilität für Anwendungen bereitzustellen, die nur nach /etc schauen. Ein relativer
       Symlink anstatt eines absoluten ist notwendig, damit der Link auch in einer Chroot oder
       Initrd-Umgebung wie Dracut funktioniert.

       os-release enthält Daten, die durch den Betriebssystemlieferanten definiert werden und
       sollte im Allgemeinen durch den Administrator nicht geändert werden.

       Da diese Datei nur Namen und Kennungen kodiert, sollte sie nicht lokalisiert werden.

       Die Dateien /etc/os-release und /usr/lib/os-release können Symlinks auf andere Dateien
       sein, aber es ist wichtig, dass diese Datei vom frühsten Zeitpunkt des Systemstarts an
       verfügbar ist, und sie muss sich daher auf dem Wurzeldateisystem befinden.

       Für eine längere Begründung für os-release lesen Sie bitte die Ankündigung von
       /etc/os-release[1].

OPTIONEN

       Die folgenden Betriebssystemidentifikationsparameter können mittels os-release gesetzt
       werden:

       NAME=
           Eine Zeichenkette, die das Betriebssystem identifiziert, ohne Versionskomponente und
           für die Anzeige beim Benutzer geeignet. Falls nicht gesetzt, standardmäßig
           »NAME=Linux«. Beispiele: »NAME=Fedora« oder »NAME="Debian GNU/Linux"«.

       VERSION=
           Eine Zeichenkette, die die Betriebssystemversion identifiziert, ohne irgendeinen
           Betriebssystemnamen, möglicherweise einschließlich eines Code-Namens für das Release,
           und für die Anzeige beim Benutzer geeignet. Dieses Feld ist optional. Beispiele:
           »VERSION=17« oder »VERSION="17 (Beefy Miracle)"«.

       ID=
           Eine Zeichenkette in Kleinbuchstaben (keine Leerzeichen oder andere Zeichen außerhalb
           von 0–9, a–z, ».«, »_« und »-«), die das Betriebssystem identifiziert, ohne
           irgendwelche Versionsinformationen und geeignet für die Verarbeitung durch Skripte
           oder zur Verwendung in erstellten Dateinamen. Falls nicht gesetzt, standardmäßig
           »ID=linux«. Beispiele: »ID=fedora« oder »ID=debian«.

       ID_LIKE=
           Eine durch Leerzeichen getrennte Liste von Betriebssystemkennungen in der gleichen
           Syntax wie die Einstellung ID=. Sie sollte Kennungen von Betriebssystemen auflisten,
           die eng in Zusammenhang zu dem lokalen Betriebssystem im Hinblick auf Paketierung und
           Programmierschnittstellen sind, beispielsweise eine oder mehrere
           Betriebssystemkennungen auflisten, von denen das lokale Betriebssystem abgeleitet ist.
           Ein Betriebssystem sollte im Allgemeinen nur andere Betriebssystemkennungen auflisten,
           von denen es selbst abgeleitet ist, und nicht andere Betriebssysteme, die von ihm
           abgeleitet sind, obwohl symmetrische Beziehungen möglich sind. Bauskripte und
           ähnliches könnten diese Variable überprüfen, falls sie das lokale Betriebssystem
           identifizieren müssen und der Wert von ID= nicht erkannt wird. Betriebssysteme sollten
           in der Reihenfolge aufgelistet werden, wie eng das lokale Betriebssystem in Bezug zu
           den aufgeführten steht, beginnend mit dem engsten. Dieses Feld ist optional.
           Beispiele: Für ein Betriebssystem mit »ID=centos« wäre eine Zuweisung von
           »ID_LIKE="rhel fedora"« geeeignet. Für ein Betriebssystem mit »ID=ubuntu« ist eine
           Zuweisung »ID_LIKE=debian« geeignet.

       VERSION_CODENAME=
           Eine Zeichenkette in Kleinbuchstaben (keine Leerzeichen oder andere Zeichen außerhalb
           von 0–9, a–z, ».«, »_« und »-«), die den Release-Namen des Betriebssystems
           identifiziert, ohne irgendwelche Betriebssystemnamensinformationen oder
           Release-Versionen und geeignet für die Verarbeitung durch Skripte oder zur Verwendung
           in erstellten Dateinamen. Dieses Feld ist optional und könnte nicht auf allen Systemen
           implementiert sein. Beispiele: »VERSION_CODENAME=buster«, »VERSION_CODENAME=xenial«

       VERSION_ID=
           Eine Zeichenkette in Kleinbuchstaben (keine Leerzeichen oder andere Zeichen außerhalb
           von 0–9, a–z, ».«, »_« und »-«), die die Betriebssystemversion identifiziert, ohne
           irgendwelche Betriebssystemnamensinformationen oder Release-Code-Namen und geeignet
           für die Verarbeitung durch Skripte oder zur Verwendung in erstellten Dateinamen.
           Dieses Feld ist optional. Beispiele: »VERSION_ID=17« oder »VERSION_ID=11.04«.

       PRETTY_NAME=
           Ein schöner Betriebssystemname in einem Format, das zur Darstellung bei Benutzern
           geeignet ist. Wie passend kann dies auf irgendeine Art den Release-Code-Namen oder die
           Betriebssystemversion enthalten oder auch nicht. Falls nicht gesetzt, ist die Vorgabe
           »PRETTY_NAME="Linux"«. Beispiele: »PRETTY_NAME="Fedora 17 (Beefy Miracle)"«.

       ANSI_COLOR=
           Eine vorgeschlagene Farbe zur Darstellung des Betriebssystemnamens auf der Konsole.
           Dies sollte als Zeichenkette festgelegt werden, die zur Einbindung in den »ESC [ m
           ANSI/ECMA-48«-Maskierungscode zum Setzen der graphischen Bildwiedergabe geeignet ist.
           Dieses Feld ist optional. Beispiele: »ANSI_COLOR="0;31" für Rot oder
           »ANSI_COLOR="1;34"" für helles Blau.

       CPE_NAME=
           Ein CPE-Name für das Betriebssystem, in URI-Anbindungssyntax, gemäß der Gemeinsamen
           Plattform-Aufzählungs-Spezifikation[2], wie von NIST vorgeschlagen. Dieses Feld ist
           optional. Beispiel: »CPE_NAME="cpe:/o:fedoraproject:fedora:17"«

       HOME_URL=, DOCUMENTATION_URL=, SUPPORT_URL=, BUG_REPORT_URL=, PRIVACY_POLICY_URL=
           Links auf Ressourcen im Internet mit Bezug zu dem Betriebssystem. HOME_URL= sollte
           sich auf die Homepage des Betriebssystems oder alternativ auf die Homepage der
           bestimmten Version des Betriebssystems beziehen. DOCUMENTATION_URL= sollte sich auf
           die Hauptdokumentationsseite für dieses Betriebssystem beziehen. SUPPORT_URL= sollte
           sich auf die Hauptseite für Unterstützung für das Betriebssystem beziehen, falls es
           eine solche gibt. Dies ist hauptsächlich für Anbieter, die Unterstützung dafür
           bereitstellen. BUG_REPORT_URL= sollte sich auf die Hauptseite für die Fehlerdatenbank
           für das Betriebssystem beziehen, falls es eine solche gibt. Dies ist hauptsächlich für
           Betriebssysteme gedacht, die sich auf Qualitätssicherung der Gemeinschaft verlassen.
           PRIVACY_POLICY_URL= sollte sich auf die Hauptseite der Datenschutzrichtlinie für das
           Betriebssystem beziehen, falls es eine solche gibt. Diese Einstellungen sind optional
           und es ist typisch, das nur ein Teil dieser Einstellungen bereitgestellt werden. Diese
           URLs sind für die Angabe in Oberflächen »Über dieses System« gedacht, unter Links mit
           den Überschriften »Über dieses Betriebssystem«, »Hilfe erhalten«, »Einen Fehler
           berichten« oder »Datenschutzrichtlinie«. Diese Werte sollten im RFC3986-Format[3] sein
           und sollten »http:«- oder »https:«-URLs und möglicherweise »mailto:« oder »tel:« sein.
           Für jede Einstellung darf nur eine URL aufgelistet werden. Falls mehrere Ressourcen
           referenziert werden müssen, wird empfohlen, eine Online-Anlaufstelle bereitzustellen,
           auf der alle verfügbaren Ressourcen verlinkt sind. Beispiele:
           »HOME_URL="https://fedoraproject.org/« und
           »BUG_REPORT_URL="https://bugzilla.redhat.com/"«

       BUILD_ID=
           Eine Zeichenkette, die das Systemabbild identifiziert, das als Ursprung für eine
           Distribution verwandt wurde (und nicht mit Systemaktualisierungen aktualisiert wird).
           Das Feld kann bei verschiedenen VERSION_IDs identisch sein, da BUILD_ID nur eine
           eindeutige Kennung für eine bestimmte Version ist. Distributionen, die jede
           Aktualisierung als eine neue Version veröffentlichen, müssten nur VERSION_ID
           verwenden, da jeder Bau bereits aufgrund der VERSION_ID unterscheidbar ist. Dieses
           Feld ist optional. Beispiele: »BUILD_ID="2013-03-20.3"« oder »BUILD_ID=201303203«.

       VARIANT=
           Eine Zeichenkette, die eine spezielle Variante oder Edition des Betriebssystems
           identifiziert, die zur Darstellung bei Benutzern geeignet ist. Dieses Feld kann den
           Benutzer darüber informieren, dass die Konfiguration dieses Systems einer speziellen
           abweichenden Gruppe von Regeln oder einer Standardkonfigurationseinstellung
           unterliegt. Dieses Feld ist optional und könnte nicht auf allen Systemen implementiert
           sein. Beispiele: »VARIANT="Server Edition"«,
           »VARIANT="Intelliegenter-Kühlschrank-Edition"«. Beachten Sie: Dieses Feld dient nur
           Anzeigezwecken. Für programmgesteuerte Entscheidungen sollte das Feld VARIANT_ID
           benutzt werden.

       VARIANT_ID=
           Eine Zeichenkette in Kleinbuchstaben (keine Leerzeichen oder andere Zeichen außerhalb
           von 0–9, a–z, ».«, »_« und »-«), die eine spezielle Variante oder eine spezielle
           Edition des Betriebssystems identifiziert. Dies kann von anderen Paketen interpretiert
           werden, um eine abweichende Standardkonfiguration zu ermitteln. Dieses Feld ist
           optional und könnte nicht auf allen Systemen implementiert sein. Beispiele:
           »VARIANT_ID=server«, »VARIANT_ID=embedded«

       LOGO=
           Eine Zeichenkette, die den Namen eines Icons wie er in der
           Freedesktop.org-Icon-Thema-Spezifikation[4] definiert ist, festlegt. Dies kann von
           graphischen Anwendungen zur Darstellung eines Logos des Betriebssystems oder des
           Distributors verwandt werden. Dieses Feld ist optional und muss nicht notwendigerweise
           auf allen Systemen implementiert sein. Beispiele: »LOGO=fedora-logo«,
           »LOGO=distributor-logo-opensuse«

       Falls Sie diese Datei aus C-Code oder einem Shell-Skript einlesen, um das Betriebssystem
       oder eine bestimmte Version davon zu ermitteln, benutzen Sie die Felder ID und VERSION_ID,
       möglicherweise mit ID_LIKE als Rückfallwert. Wenn Sie nach einer
       Betriebssystemkennungszeichenkette für die Darstellung beim Benutzer suchen, verwenden Sie
       das Feld PRETTY_NAME.

       Beachten Sie, dass Betriebssystemanbieter sich entscheiden könnten, keine
       Versionsinformationen zu liefern, beispielsweise um rollende Veröffentlichungen (»rolling
       releases«) zu berücksichtigen. In diesen Fällen können VERSION und VERSION_ID ungesetzt
       sein. Anwendungen sollte sich nicht darauf verlassen, dass diese Felder gesetzt sind.

       Betriebssystemanbieter können das Dateiformat erweitern und neue Felder einführen. Es wird
       nachdrücklich empfohlen, neuen Feldern einen betriebssystemspezifischen Namen
       voranzustellen, um Namenskollisionen zu vermeiden. Anwendungen, die diese Datei lesen,
       müssen unbekannte Felder ignorieren. Beispiel: »DEBIAN_BTS="debbugs://bugs.debian.org/"«

BEISPIEL

           NAME=Fedora
           VERSION="17 (Beefy Miracle)"
           ID=fedora
           VERSION_ID=17
           PRETTY_NAME="Fedora 17 (Beefy Miracle)"
           ANSI_COLOR="0;34"
           CPE_NAME="cpe:/o:fedoraproject:fedora:17"
           HOME_URL="https://fedoraproject.org/"
           BUG_REPORT_URL="https://bugzilla.redhat.com/"

SIEHE AUCH

       systemd(1), lsb_release(1), hostname(5), machine-id(5), machine-info(5)

ANMERKUNGEN

        1. Ankündigung von /etc/os-release
           http://0pointer.de/blog/projects/os-release

        2. Gemeinsame Plattform-Aufzählungs-Spezifikation
           http://scap.nist.gov/specifications/cpe/

        3. RFC-3986-Format
           https://tools.ietf.org/html/rfc3986

        4. freedesktop.org-Icon-Thema-Spezifikation
           http://standards.freedesktop.org/icon-theme-spec/latest

ÜBERSETZUNG

       Die deutsche Übersetzung dieser Handbuchseite wurde von Helge Kreutzmann
       <debian@helgefjell.de> erstellt.

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