Provided by: manpages-de_2.15-1build1_all bug

BEZEICHNUNG

       daemon - Schreiben und Paketieren von System-Daemons

BESCHREIBUNG

       Ein Daemon ist ein Diensteprozess, der im Hintergrund läuft und das System beaufsichtigt
       oder Funktionalitäten für andere Prozesse bereitstellt. Traditionell werden Daemons so
       implementiert, dass sie einem ursprünglich aus SysV-Unix stammenden Schema folgen. Moderne
       Daemons sollten einem einfacheren, aber dennoch leistungsfähigeren Schema folgen (hier
       »neuartige« Daemons genannt), wie es von systemd(1) implementiert wird. Diese
       Handbuchseite deckt beide Schemata ab und enthält insbesondere Empfehlungen für Daemons,
       die im Systemd-Init-System aufgenommen werden sollen.

   SysV-Daemons
       Wenn ein traditioneller SysV-Daemon startet, sollte er die folgenden Schritte als Teil
       seiner Initialisierung ausführen. Beachten Sie, dass diese Schritte von neuartigen Daemons
       (siehe unten) nicht benötigt werden. Sie sollten daher nur implementiert werden, wenn die
       Kompatibilität zu SysV essenziell ist.

        1. Alle offenen Dateideskriptoren außer der Standardeingabe, -ausgabe und -fehlerausgabe
           (d.h. den drei ersten Dateideskriptoren 0, 1, 2) werden geschlossen. Dies stellt
           sicher, dass kein versehentlich geöffneter Dateideskriptor im Daemon-Prozess
           verbleibt. Unter Linux wird dies am besten dadurch implementiert, dass durch
           /proc/self/fd iteriert wird, mit der Rückfalloption, von Dateideskriptor 3 bis zu dem
           von getrlimit() für RLIMIT_NOFILE zurückgelieferten Wert durchzuiterieren.

        2. Alle Signal-Handler werden auf ihre Vorgaben zurückgesetzt. Dies erfolgt am besten
           durch Iteration durch alle verfügbaren Signale bis zur Grenze von _NSIG und dem
           Zurücksetzen dieser auf SIG_DFL.

        3. Zurücksetzen der Signal-Maske mittels sigprocmask().

        4. Bereinigen des Umgebungsblocks, Entfernen oder Zurücksetzen der Umgebungsvariablen,
           die einen negativen Einfluss auf die Laufzeit des Daemons haben könnten.

        5. Aufrufen von fork(), um einen Hintergrundprozess zu erzeugen.

        6. Aufruf von setsid() im Kind, um von jedem Terminal zu trennen und eine unabhängige
           Sitzung zu erzeugen.

        7. Erneuter Aufruf von fork() im Kind, um sicherzustellen, dass der Daemon niemals wieder
           ein Terminal erlangen kann.

        8. Aufruf von exit() im ersten Kind, so dass nur das zweite Kind (der eigentliche Daemon)
           verbleibt. Dies stellt sicher, dass der Daemon-Prozess PID 1 als neuen Elternprozess
           bekommt, wie das bei allen Daemons der Fall sein sollte.

        9. Verbinden von /dev/null im Daemon-Prozess mit der Standardeingabe, -ausgabe und
           -fehlerausgabe.

       10. Zurücksetzen der Umask auf 0 im Daemon-Prozess, so dass die an open(), mkdir() und
           ähnliche weitergegebenen Dateimodi direkt die Zugriffsmodi auf die erstellten Dateien
           und Verzeichnisse steuern.

       11. Ändern des aktuellen Verzeichnisses im Daemon-Prozess auf das Wurzelverzeichnis (/),
           um zu vermeiden, dass der Daemon unfreiwillig die Einhängepunkte vor dem Aushängen
           blockiert.

       12. Schreiben der Daemon-PID (wie von getpid() zurückgeliefert) im Daemon-Prozess in eine
           PID-Datei, beispielsweise /run/foobar.pid (für einen hypothetischen Daemon »foobar«),
           um sicherzustellen, dass der Daemon nicht mehr als einmal gestartet wird. Dies muss so
           implementiert werden, dass kein Ressourcenwettlauf möglich ist, so dass die PID-Datei
           nur aktualisiert wird, wenn gleichzeitig sichergestellt ist, dass die vorher in der
           PID-Datei gespeicherte PID nicht mehr existiert oder zu einem fremden Prozess gehört.

       13. Abgeben der Privilegien im Daemon-Prozess, falls möglich und zutreffend.

       14. Benachrichtigen des ursprünglich gestarteten Prozesses aus dem Daemon-Prozess, dass
           die Initialisierung abgeschlossen ist. Dies kann über eine unbenannte Pipe oder einen
           ähnlichen Kommunikationskanal, der vor dem ersten fork() erstellt wurde und daher in
           sowohl dem ursprünglichen als auch dem Daemon-Prozess verfügbar ist, erfolgen.

       15. Aufrufen von exit() im ursprünglichen Prozess. Der Prozess, der den Daemon gestartet
           hat, muss in der Lage sein, sich darauf zu verlassen, dass dieser exit() passiert,
           nachdem die Initialisierung abgeschlossen und die externen Kommunikationskanäle
           etabliert und zugreifbar sind.

       Die BSD-Funktion daemon() sollte nicht verwandt werden, da sie nur eine Teilmenge dieser
       Schritte implementiert.

       Ein Daemon, der Kompatibilität mit SysV-Systemen bereitstellen muss, sollte das oben
       dargestellte Schema implementieren. Es wird allerdings empfohlen, dieses Verhalten über
       eine Befehlszeilenoption optional und konfigurierbar zu gestalten, um die Fehlersuche zu
       erleichtern und um die Integration in Systeme, die Systemd verwenden, zu erleichtern.

   Neuartige Daemons
       Moderne Dienste für Linux sollten als neuartige Daemons implementiert werden. Dies
       erleichtert die Beaufsichtigung und Steuerung zur Laufzeit und vereinfacht ihre
       Implementierung.

       Zur Entwicklung eines neuartigen Daemons muss keiner der für SysV-Daemons empfohlenen
       Initialisierungsschritte implementiert werden. Bei neuartigen Init-Systemen wie Systemd
       sind diese alle redundant. Da einige dieser Schritte sogar die Prozessüberwachung,
       Dateideskriptorweitergabe und andere Funktionalitäten des Init-Systems stören, wird
       empfohlen, sie nicht auszuführen, wenn sie als neuartiger Dienst ausgeführt laufen.

       Beachten Sie, dass neuartige Init-Systeme die Ausführung eines Daemon-Prozesses in einem
       sauberen Prozesskontext garantieren: Es wird garantiert, dass der Umgebungsblock bereinigt
       ist, dass Signal-Handler und -Masken zurückgesetzt sind und dass kein übrig gebliebener
       Dateideskriptor weitergegeben wird. Daemons werden in ihrer eigenen Sitzung ausgeführt,
       wobei die Standardeingabe mit /dev/null und die Standardausgabe/Standardfehlerausgabe mit
       dem Protokollierungsdienst systemd-journald.service(8) verbunden ist, außer dies ist
       anders konfiguriert. Die Umask ist zurückgesetzt.

       Es wird empfohlen, dass neuartige Daemons folgendes implementieren:

        1. Falls SIGTERM empfangen wird, soll der Daemon sich herunterfahren und sauber beenden.

        2. Falls SIGHUP empfangen wird, sollen die Konfigurationsdateien, falls zutreffend, neu
           geladen werden.

        3. Es soll ein korrekter Exit-Code vom Haupt-Daemon-Prozess bereitgestellt werden, da
           dieser vom Init-System benutzt wird, um Dienstefehler und Probleme zu erkennen. Es
           wird empfohlen, dem in LSB-Empfehlungen für SysV-Init-Skripte[1] definierten
           Exit-Code-System zu folgen.

        4. Falls möglich und zutreffend sollte die Steuerschnittstelle mittels des
           D-Bus-IPC-Systems zugänglich gemacht und ein Bus-Name als letzten Schritt in der
           Initialisierung erlangt werden.

        5. Stellen Sie eine .service-Unit-Datei zur Integration mit Systemd bereit, die
           Informationen zum Starten, Beenden und anderseitigen Verwalten des Daemons enthält.
           Siehe systemd.service(5) für Details.

        6. Verlassen Sie sich soweit möglich auf die Funktionalitäten des Init-Systems, den
           Zugriff des Daemons auf Dateien, Dienste und andere Ressourcen zu begrenzen, d.h. im
           Falle von Systemd, verlassen Sie sich auf Systemds Ressourenbegrenzungssteuerung statt
           Ihre eigene zu implementieren, verlassen Sie sich auf den Privilegienabgabe-Code von
           Systemd, statt ihn in Ihrem Daemon zu implementieren und ähnliches. SIehe
           systemd.exec(5) für die verfügbaren Steuerungen.

        7. Falls D-Bus verwandt wird, ermöglichen Sie die Bus-Aktivierung Ihres Daemons, indem
           Sie eine D-Bus-Dienste-Aktivierungsdatei bereitstellen. Dies hat eine Reihe von
           Vorteilen: Ihr Daemon kann erst bei Bedarf gestartet werden; er kann parallel zu
           anderen Daemons, die ihn benötigen, gestartet werden — wodurch die Parallelisierung
           und die Systemstartgeschwindigkeit maximiert wird; Ihr Daemon kann im Fehlerfall neu
           gestartet werden, ohne eine Bus-Anfrage zu verlieren, da die Bus-Warteschlagen
           aktivierbare Dienste erbitten. Siehe unten für Details.

        8. Falls Ihr Daemon Dienste für andere lokale Prozesse oder Clients in der Ferne über ein
           Socket anbietet, sollte es gemäß des nachfolgend dargestellten Schemas
           Socket-aktivierbar sein. Ähnlich der D-Bus-Aktivierung ermöglicht dies
           bedarfsgesteuertes Starten von Diensten sowie verbesserte Parallelisierung beim
           Starten der Dienste. Für zustandslose Protokolle (wie Syslog, DNS) kann ein Daemon,
           der Socket-basierte Aktivierung implementiert, auch ohne Verlust einer einzelnen
           Anfrage neu gestartet werden. Siehe unten für Details.

        9. Falls zutreffend sollte ein Daemon über den Abschluss des Startens oder
           Statusaktualisierungen mittels der Schnittstelle sd_notify(3) informieren.

       10. Statt den Aufruf syslog() zum direkten Protokollieren in den Systemprotokolldienst zu
           verwenden, kann ein neuartiger Daemon einfach auf die Standardfehlerausgabe mittels
           fprintf() protokollieren, was dann durch das Init-System an Syslog weitergeleitet
           wird. Falls Protokollierungsstufen notwendig sind, können diese durch Voranstellen von
           Zeichenketten wie »<4>« (für Protokollierungsstufe 4 »WARNING« im
           Syslog-Prioritätsschema) vor individuellen Protokollierzeilen kodiert werden. Dies
           folgt einem ähnlichen Stil wie das printk()-Stufensystem des Linux-Kernels. Für
           Details siehe sd-daemon(3) und systemd.exec(5).

       Diese Empfehlungen sind ähnlich zu, aber nicht identisch mit den
       Apple-MacOS-X-Daemon-Anforderungen[2].

AKTIVIERUNG

       Neuartige Init-Systeme stellen eine Reihe von zusätzlichen Mechanismen bereit, um Dienste
       zu aktivieren. Details dazu weiter unten. Es ist typisch, dass Dienste konfiguriert
       wurden, über mehr als einen Mechanismus gleichzeitig aktiviert zu werden. Beispielsweise
       könnte in einem Systemd-System bluetoothd.service aktiviert werden, wenn eine
       Bluetooth-Hardware eingesteckt wird oder wenn eine Anwendung mittels D-Bus auf seine
       Programmierschnittstelle zugreift. Oder ein Drucker-Server-Daemon könnte aktiviert werden,
       wenn Daten auf einem IPP-Port ankommen oder wenn ein Drucker eingesteckt wird oder wenn
       eine Datei im Drucker-Spool-Verzeichnis in die Warteschlange kommt. Selbst für Dienste,
       die dazu gedacht sind, beim Systemstart bedingungslos zu starten, ist es eine gute Idee,
       einige der unten dargestellten verschiedenen Aktivierungsschemata zu implementieren, um
       die Parallelisierung zu maximieren. Falls ein Daemon einen D-Bus-Dienst implementiert oder
       an einem Socket auf Anfragen wartet, erlaubt die Implementierung des kompletten Bus- und
       Socket-Aktivierungsschematas das Starten des Daemons mit seinen Clients parallel
       durchzuführen (womit der Systemstart beschleunigt wird), da bereits alle
       Kommunikationskanäle etabliert sind und keine Anfrage verloren geht, da Client-Anfragen
       vom Bus-System in Warteschlangen gestellt werden (im Falle von D-Bus) oder durch den
       Kernel (im Falle von Sockets), bis die Aktivierung abgeschlossen ist.

   Aktivierung beim Systemstart
       Daemons der alten Art werden typischerweise exklusiv beim Systemstart (oder manuell durch
       den Systemadministrator) mittels SysV-Init-Skripten aktiviert, wie dies in der LSB Linux
       Standard Base Kern-Spezifikation[1] dargestellt ist. Diese Methode wird universell auf
       Linux-Init-Systemen unterstützt, sowohl bei denen der alten Art als auch bei neuartigen.
       Unter anderen Problemen haben die SysV-Init-Skripte den Nachteil, Shell-Skripte im
       Systemstartprozess zu involvieren. Neuartige Init-Systeme setzen im Allgemeinen
       aktualisierte Versionen der Aktivierung ein, sowohl während des Systemstarts als auch
       während der Laufzeit und verwenden minimalere Dienstebeschreibungsdateien.

       Falls der Entwickler oder Administrator in Systemd sicherstellen möchte, dass ein Dienst
       oder eine andere Unit automatisch beim Systemstart aktiviert ist, wird empfohlen, einen
       Symlink auf die Unit-Datei im Verzeichnis .wants/ von entweder multi-user.target oder
       graphical.target, die normalerweise als Systemstartziele beim Systemstart verwandt werden,
       zu legen. Siehe systemd.unit(5) für Details über die Verzeichnisse .wants/ und
       systemd.special(7) für Details über die zwei Systemstartziele.

   Socket-basierte Aktivierung
       Um die Parallelisierung und Robustheit zu maximieren und die Konfiguration und Entwicklung
       zu vereinfachen, wird für alle neuartigen Daemons empfohlen, die über Warten an Sockets
       kommunizieren, eine Socket-basierte Aktivierung einzusetzen. In einem Socket-basierten
       Aktivierungsschema wird die Erstellung und das Binden des Sockets, an dem gewartet werden
       soll, als primären Kommunikationskanal von Daemons mit lokalen (und manchmal fernen)
       Clients aus dem Daemon-Code in das Init-System verschoben. Basierend auf einer
       Daemon-basierten Konfiguration installiert das Init-System die Sockets und gibt sie an die
       erstellten Prozesse, sobald der respektive Daemon gestartet wird. Optional kann die
       Aktivierung des Dienstes verzögert werden, bis der erste eingehende Verkehr auf dem Socket
       eintrifft, um eine bedarfsgesteuerte Aktivierung von Daemons zu realisieren. Allerdings
       ist der Hauptvorteil dieses Schemas, dass alle Anbieter und Konsumenten des Sockets
       parallel gestartet werden können, sobald alle Sockets etabliert sind. Zusätzlich können
       Daemons neugestartet werden und dabei nur eine minimale Anzahl an Client-Transaktionen
       verlieren oder sogar überhaupt keine Client-Anfrage (Letzteres stimmt insbesondere für
       zustandslose Protokolle wie DNS oder Syslog), da das Socket während des Neustarts
       angebunden und zugreifbar verbleibt und alle Anfragen in einer Warteschlange verbleiben,
       während der Daemon sie nicht verarbeiten kann.

       Neuartige Daemons, die Socket-Aktivierung unterstützen, müssen in der Lage sein, Sockets
       vom Init-System zu erhalten, statt sie selbst zu erstellen und sich daran zu binden. Für
       Details über die Programmierschnittstellen für dieses von Systemd bereitgestellte Schema,
       siehe sd_listen_fds(3) und sd-daemon(3). Für Details über die Portierung bestehender
       Daemons zu Socket-basierter Aktivierung, siehe unten. Mit minimalem Einsatz ist es
       möglich, Socket-basierte Aktivierung zusätzlich zu traditioneller interner
       Socket-Erstellung in der gleichen Codebasis zu erstellen, um sowohl neuartige als auch
       Init-Systeme der alten Art im gleichen Daemon-Programm zu unterstützen.

       Systemd implementiert Socket-basierte Aktivierung mittels .socket-Units, die in
       systemd.socket(5) beschrieben sind. Wenn Socket-Units für Socket-basierte Aktivierung
       konfiguriert werden, ist es wesentlich, dass alle Sockets, bei denen auf Anfragen gewartet
       wird, durch eine spezielle Ziel-Unit sockets.target hereingezogen werden. Es wird
       empfohlen, eine Anweisung WantedBy=sockets.target in den Abschnitt »[Install]« zu setzen,
       um eine solche Abhängigkeit automatisch bei der Installation einer Socket-Unit
       hinzuzufügen. Die notwendigen Ordnungs-Abhängigkeiten werden für alle Socket-Units
       implizit erstellt, falls DefaultDependencies=no nicht gesetzt ist. Für weitere
       Informationen über sockets.target, siehe systemd.special(7). Es ist nicht notwendig oder
       empfohlen, zusätzliche Abhängigkeiten auf Socket-Units abzulegen (zum Beispiel von
       multi-user.target oder ähnlichem), wenn eine in sockets.target installiert ist.

   Bus-basierte Aktivierung
       Wenn das D-Bus-IPC-System für die Kommunikation mit Clients verwandt wird, sollten
       neuartige Daemons Bus-Aktivierung einsetzen, so dass sie automatisch aktiviert werden,
       wenn eine Client-Anwendung auf ihre IPC-Schnittstelle zugreift. Dies wird in
       D-Bus-Dienste-Dateien (die nicht mit Systemds Dienste-Unit-Dateien durcheinandergebracht
       werden dürfen) konfiguriert. Um sicherzustellen, dass D-Bus Systemd verwendet, um den
       Daemon zu starten und zu verwalten, verwenden Sie die Anweisung SystemdService= in diesen
       Dienste-Dateien, um den passenden Systemd-Dienst für einen D-Bus-Dienst zu konfigurieren.
       Stellen Sie beispielsweise für einen D-Bus-Dienst, dessen D-Bus-Aktivierungsdatei
       org.freedesktop.RealtimeKit.service heißt, sicher, dass
       SystemdService=rtkit-daemon.service in dieser Datei gesetzt ist, um ihn an den
       Systemd-Dienst rtkit-daemon.service zu binden. Dies wird benötigt, um sicherzustellen,
       dass der Daemon ohne Ressourcenwettläufe gestartet wird, wenn er über mehrere Mechanismen
       simultan aktiviert wird.

   Geräte-basierte Aktivierung
       Oft sollen Daemons, die einen besonderen Hardwaretyp verwalten, nur aktiviert werden, wenn
       die Hardware der entsprechenden Art eingesteckt oder andernfalls verfügbar gemacht wird.
       In einem neuartigen Init-System ist es möglich, die Aktivierung an
       Hardware-Einsteck-/Aussteck-Ereignisse zu binden. In Systemd können Kernel-Geräte, die in
       dem Gerätebaum sysfs/udev auftauchen, als Units offengelegt werden, falls sie mit der
       Zeichenkette »systemd« markiert sind. Wie andere Arten von Units können sie dann andere
       Units bei der Aktivierung (z.B. beim Einstecken) hereinziehen, und daher Geräte-basierte
       Aktivierung implementieren. Systemd-Abhängigkeiten können in der Udev-Datenbank mittels
       der Eigenschaft SYSTEMD_WANTS= kodiert werden. Siehe systemd.device(5) für Details. Oft
       ist es schöner, einen Dienst von Geräten nur indirekt über dedizierte Ziele
       hereinzuziehen. Beispiel: Statt bluetoothd.service von alle den verschiedenen
       Bluetooth-Dongles und anderen verfügbaren Hardwaren hereinzuziehen, ziehen Sie von ihnen
       bluetooth.target herein und dann bluetoothd.service von diesem Ziel. Dies stellt eine
       nettere Abstraktion bereit und ermöglicht Administratoren die Option, bluetoothd.service
       über einen Symlink bluetooth.target.wants/ uniform mit einem Befehl der Art enable von
       systemctl(1) zu steuern, statt den Udev-Regelsatz zu bearbeiten.

   Pfadbasierte Aktivierung
       Oft können Laufzeit-Daemons, die Spool-Dateien oder -Verzeichnisse (wie bei einem
       Drucksystem) verarbeiten, verzögert werden, bis diese Dateisystemobjekte den Zustand
       ändern oder nicht mehr leer sind. Neuartige Init-Systeme stellen einen Weg bereit, die
       Diensteaktivierung an Dateisystemänderungen zu binden. Systemd implementiert dieses Schema
       mittels in .path-Units konfigurierter pfadbasierter Aktivierung, wie in systemd.path(5)
       skizziert.

   Zeitgeber-basierte Aktivierung
       Einige Daemons, die Aufräumaufgaben erledigen, die regelmäßig ausgeführt werden sollen,
       ziehen aus Zeitgeber-basierter Aktivierung einen Nutzen. In Systemd ist dies mittels
       .timer-Units implementiert, wie in systemd.timer(5) beschrieben.

   Andere Formen der Aktivierung
       Es wurden andere Formen der Aktivierung vorgeschlagen und in einigen Systemen
       implementiert. Allerdings gibt es oft einfachere und bessere Alternativen oder sie können
       als Kombination der obigen Schemata zusammengestellt werden. Beispiel: Manchmal erscheint
       es nützlich, Daemons oder .socket-Units zu starten, wenn eine bestimmte IP-Adresse an
       einer Netzwerkschnittstelle konfiguriert ist, da Netzwerk-Sockets an diese Adresse
       gebunden werden sollen. Eine Alternative zur Implementierung hiervon ist die Verwendung
       der Socket-Option IP_FREEBIND von Linux, die mittels FreeBind=yes in
       Systemd-Socket-Dateien erreichbar ist (siehe systemd.socket(5) für Details). Diese Option
       erlaubt Sockets, wenn sie aktiviert ist, an nichtlokale, nichtkonfigurierte IP-Adressen
       gebunden zu werden und erlaubt damit Anbindungen an bestimmte IP-Adressen, bevor diese
       tatsächlich verfügbar werden; dies macht eine solche explizite Abhängigkeit auf die
       konfigurierte Adresse redundant. Ein anderer oft vorgeschlagener Auslöser für
       Dienste-Aktivierung ist niedrige Systemlast. Auch hier könnte allerdings ein überzeugender
       Ansatz sein, die Funktionalitäten des Betriebssystems korrekt zu benutzen, insbesondere
       des CPU- oder E/A-Schedulers von Linux. Anstatt Aufträge vom Anwenderbereich, basierend
       auf der Überwachung des Betriebssystem-Schedulers einzuplanen, ist es empfehlenswert, die
       Einplanung von Prozessen dem Betriebssystem-Scheduler selbst zu überlassen. Systemd stellt
       einen feingranularen Zugriff auf die CPU- und E/A-Scheduler bereit. Falls ein vom
       Init-System ausgeführter Prozess den Umfang der für andere Prozesse verfügbaren CPU- oder
       E/A-Bandbreite nicht negativ beeinflussen soll, sollte er mit CPUSchedulingPolicy=idle
       und/oder IOSchedulingClass=idle konfiguriert werden. Optional kann dies mit
       Zeitgeber-basierter Aktivierung kombiniert werden, um Hintergrund-Aufträge während der
       Laufzeit und mit minimalen Auswirkungen auf das System einzuplanen und ihn aus der
       Systemstartphase selbst zu entfernen.

INTEGRATION MIT SYSTEMD

   Schreiben von Systemd-Unit-Dateien
       Beim Schreiben von Systemd-Unit-Dateien wird empfohlen, die folgenden Vorschläge zu
       berücksichtigen:

        1. Falls möglich, nutzen Sie die Einstellung Type=forking in Dienstedateien nicht. Falls
           Sie es aber machen, stellen Sie sicher, den PID-Dateipfad mit PIDFile= zu setzen.
           Siehe systemd.service(5) für Details.

        2. Falls Ihr Daemon einen D-Bus-Namen auf dem Bus registriert, stellen Sie sicher, falls
           möglich Type=dbus in der Dienstedatei zu verwenden.

        3. Setzen Sie eine gut lesbare Beschreibung in Description=.

        4. Deaktivieren Sie DefaultDependencies= nicht, außer Sie wissen genau, was Sie tun und
           Ihre Unit ist in der frühen Systemstartphase oder im späten Herunterfahren beteiligt.

        5. Normalerweise werden wenige, falls überhaupt, Abhängigkeiten explizit definiert werden
           müssen. Falls Sie allerdings explizite Abhängigkeiten definieren, beziehen Sie sich
           nur auf Units, die in systemd.special(7) aufgeführt sind oder auf Namen, die von Ihrem
           eigenen Paket bekanntgegeben sind, um Ihre Unit-Datei Betriebssystem-unabhängig zu
           halten.

        6. Nehmen Sie einen Abschnitt »[Install]« auf, der die Installationsinformation für die
           Unit-Datei enthält. Siehe systemd.unit(5) für Details. Um Ihren Dienst beim
           Systemstart zu aktivieren, fügen Sie eine Anweisung WantedBy=multi-user.target oder
           WantedBy=graphical.target hinzu. Um Ihr Socket beim Systemstart zu aktivieren, fügen
           Sie WantedBy=sockets.target hinzu. Normalerweise wollen Sie auch sicherstellen, dass
           bei der Installation Ihres Dienstes auch Ihr Socket installiert wird, daher fügen Sie
           Also=foo.socket in Ihrer Dienstedatei foo.service für ein hypothetisches Programm foo
           hinzu.

   Systemd-Dienstedateien installieren
       Zum Bauinstallationszeitpunkt (d.h. make install während des Paketbaus) wird empfohlen,
       dass Pakete ihre Systemd-Unit-Dateien im Verzeichnis, das von pkg-config systemd
       --variable=systemdsystemunitdir (für Systemdienste) oder pkg-config systemd
       --variable=systemduserunitdir (für Benutzerdienste) zurückgeliefert wird, zu installieren.
       Damit wird der Dienst im System für explizite Anfragen verfügbar gemacht, aber nicht beim
       Systemstart automatisch aktiviert. Optional sollten während der Paketinstallation (z.B.
       rpm -i durch den Administrator) Symlinks in den Systemd-Konfigurationsverzeichnissen mit
       dem Befehl enable des Werkzeuges systemctl(1) erstellt werden, um sie beim Systemstart
       automatisch zu aktivieren.

       Für Pakete, die autoconf(1) verwenden, wird empfohlen, einen Configure-Skript-Auszug wie
       den nachfolgenden zu verwenden, um den Unit-Installationspfad während der
       Quellkonfiguration zu ermitteln:

           PKG_PROG_PKG_CONFIG
           AC_ARG_WITH([systemdsystemunitdir],
                [AS_HELP_STRING([--with-systemdsystemunitdir=DIR], [Directory for systemd service files])],,
                [with_systemdsystemunitdir=auto])
           AS_IF([test "x$with_systemdsystemunitdir" = "xyes" -o "x$with_systemdsystemunitdir" = "xauto"], [
                def_systemdsystemunitdir=$($PKG_CONFIG --variable=systemdsystemunitdir systemd)

                AS_IF([test "x$def_systemdsystemunitdir" = "x"],
              [AS_IF([test "x$with_systemdsystemunitdir" = "xyes"],
               [AC_MSG_ERROR([systemd support requested but pkg-config unable to query systemd package])])
               with_systemdsystemunitdir=no],
              [with_systemdsystemunitdir="$def_systemdsystemunitdir"])])
           AS_IF([test "x$with_systemdsystemunitdir" != "xno"],
                 [AC_SUBST([systemdsystemunitdir], [$with_systemdsystemunitdir])])
           AM_CONDITIONAL([HAVE_SYSTEMD], [test "x$with_systemdsystemunitdir" != "xno"])

       Dieser Schnipsel ermöglicht die automatische Installation der Unit-Dateien auf
       Systemd-Maschinen und erlaubt optional ihre Installation selbst auf Maschinen, denen
       Systemd fehlt. (Die Anpassung des Schnipsels auf das Benutzer-Unit-Verzeichnis bleibt als
       Aufgabe für den Leser.)

       Damit make distcheck weiterhin funktioniert, wird auf automake(1) basierenden Projekten
       zusätzlich empfohlen, folgendes zur Datei Makefile.am auf oberster Ebene hinzuzufügen:

           AM_DISTCHECK_CONFIGURE_FLAGS = \
             --with-systemdsystemunitdir=$$dc_install_base/$(systemdsystemunitdir)

       Schließlich sollten Unit-Dateien im System mit einem Automake-Ausschnitt der folgenden Art
       installiert werden:

           if HAVE_SYSTEMD
           systemdsystemunit_DATA = \
             foobar.socket \
             foobar.service
           endif

       In der .spec-Datei von rpm(8) verwenden Sie Schnipsel der folgenden Art, um Dienste
       während der Installation/Deinstallation zu aktivieren/zu deaktivieren. Dies verwendet
       RPM-Makros, die zusammen mit Systemd ausgeliefert werden. Ziehen Sie die
       Paketierungsrichtlinien Ihrer Distribution für Details und die Äquivalente anderer
       Paketverwalter hinzu.

       Am Anfang der Datei:

           BuildRequires: systemd
           %{?systemd_requires}

       Und als Skriptteile, weiter unten:

           %post
           %systemd_post foobar.service foobar.socket

           %preun
           %systemd_preun foobar.service foobar.socket

           %postun
           %systemd_postun

       Falls der Dienst während der Aktualisierung neu gestartet werden soll, ersetzen Sie den
       Skriptteil »%postun« mit nachfolgendem:

           %postun
           %systemd_postun_with_restart foobar.service

       Beachten Sie, dass »%systemd_post« und »%systemd_preun« die Namen sämtlicher zu
       installierender/entfernender Units als durch Leerzeichen getrennte Argumente erwarten.
       »%systemd_postun« erwartet keine Argumente. »%systemd_postun_with_restart« erwartet die
       neu zu startenden Units als Argumente.

       Um Aktualisierungen von einer Paketversion, die nur SysV-Init-Skripte auslieferte, zu
       einer Paketversion, die sowohl SysV-Init-Skripte als auch eine native Systemd-Dienstedatei
       ausliefert, zu unterstützen, verwenden Sie Fragmente der folgenden Art:

           %triggerun -- foobar < 0.47.11-1
           if /sbin/chkconfig --level 5 foobar ; then
             /bin/systemctl --no-reload enable foobar.service foobar.socket >/dev/null 2>&1 || :
           fi

       Wobei 0.47.11-1 die erste Paketversion ist, die die native Unit-Datei enthält. Dieses
       Fragment bewirkt, dass bei der erstmaligen Installation der Unit-Datei diese nur aktiviert
       wird, falls das SysV-Init-Skript aktiviert ist und stellt damit sicher, dass der
       Aktivierungsstatus sich nicht ändert. Beachten Sie, dass der Befehl chkconfig, der zum
       Überprüfen des Aktivitätsstandes eines SysV-Init-Skriptes verwandt werden kann,
       Fedora-spezifisch ist. Hier werden andere Betriebssysteme andere Befehle verwenden müssen.

EXISTIERENDE DAEMONS PORTIEREN

       Da neuartige Init-Systeme wie Systemd zu traditionellen SysV-Init-Systemen kompatibel
       sind, ist es strenggenommen nicht notwendig, Daemons auf die neue Art zu portieren.
       Erfolgt dies, ermöglicht es aber, zusätzliche Funktionalitäten zum Daemon hinzuzufügen,
       sowie die Integration in das neuartige Init-System zu vereinfachen.

       Um einen bestehenden, SysV-kompatiblen Daemon zu portieren, werden die folgenden Schritte
       empfohlen:

        1. Falls noch nicht implementiert, fügen Sie einen zusätzlichen Befehlszeilenschalter zu
           dem Daemon hinzu, um die Daemonisierung zu deaktivieren. Dies ist nicht nur für den
           Einsatz in neuartigen Init-Systemen, sondern auch zur Erleichterung der Fehlersuche
           nützlich.

        2. Falls der Daemon zu anderer, auf dem lokalen System laufenden Software Schnittstellen
           mittels lokaler AF_UNIX-Sockets anbietet, sollte eine Socket-basierte Aktivierung
           (siehe oben) überlegt werden. Normalerweise reicht ein minimaler Patch, um dies zu
           implementieren: Erweitern Sie die Socket-Erstellung im Daemon-Code, so dass zuerst
           sd_listen_fds(3) auf bereits übergebene Sockets geprüft wird. Falls Sockets übergeben
           wurden (d.h. wenn sd_listen_fds() einen positiven Wert liefert), überspringen Sie den
           Socket-Erstellungsschritt und verwenden Sie die übergebenen Sockets. Zweitens sollten
           die System-Socket-Knoten für lokale, in der Socket-basierten Aktivierung verwandten
           AF_UNIX-Sockets nicht entfernt werden, wenn der Daemon heruntergefahren wird, falls
           Sockets übergeben wurden. Falls der Daemon normalerweise alle verbliebenen offenen
           Dateideskriptoren als Teil seiner Initialisierung schließt, müssen drittens die vom
           Init-System übergebenen Sockets verschont werden. Da neuartige Init-Systeme
           garantieren, dass keine verbliebenen Dateideskriptoren an ausgeführte Prozesse
           übergeben werden, könnte es eine gute Idee sein, einfach das Schließen aller
           verbliebenen offenen Dateideskriptoren zu überspringen, falls Sockets übergeben
           wurden.

        3. Schreiben und installieren Sie eine Systemd-Unit-Datei für den Dienst (und die
           Sockets, falls Socket-basierte Aktivierung verwandt wird, sowie eine Pfad-Unit-Datei,
           falls der Daemon ein Spool-Verzeichnis verarbeitet), siehe oben für Details.

        4. Falls der Daemon Schnittstellen mittels D-Bus offenlegt, schreiben Sie eine
           D-Bus-Aktivierungsdatei für den Dienst, siehe oben für Details.

ABLAGE VON DAEMON-DATEN

       Es wird empfohlen, den allgemeinen Richtlinien, beschrieben in file-hierarchy(7), für die
       Ablage von Paketdateien zu folgen.

SIEHE AUCH

       systemd(1), sd-daemon(3), sd_listen_fds(3), sd_notify(3), daemon(3), systemd.service(5),
       file-hierarchy(7)

ANMERKUNGEN

        1. LSB-Empfehlungen für SysV-Init-Skripte
           http://refspecs.linuxbase.org/LSB_3.1.1/LSB-Core-generic/LSB-Core-generic/iniscrptact.html

        2. Apple-MacOS-X-Daemon-Anforderungen
           https://developer.apple.com/library/mac/documentation/MacOSX/Conceptual/BPSystemStartup/Chapters/CreatingLaunchdJobs.html

ÜBERSETZUNG

       Die deutsche Übersetzung dieser Handbuchseite wurde von Helge Kreutzmann
       <debian@helgefjell.de> erstellt.

       Diese Übersetzung ist Freie Dokumentation; lesen Sie die GNU General Public License
       Version 3 oder neuer bezüglich der Copyright-Bedingungen. Es wird KEINE HAFTUNG
       übernommen.

       Wenn Sie Fehler in der Übersetzung dieser Handbuchseite finden, schicken Sie bitte eine E-
       Mail an <debian-l10n-german@lists.debian.org>.