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BEZEICHNUNG

       lesskey - Tastenbelegungen für Less festlegen

ÜBERSICHT

       lesskey [-o Ausgabe] [--] [Eingabe]
       lesskey [--output=Ausgabe] [--] [Eingabe]
       lesskey -V
       lesskey --version

BESCHREIBUNG

       Lesskey  wird  zum  Angeben  einer  Reihe  von  Tastenbelegungen  verwendet,  die von less
       verwendet werden.  Die  Eingabedatei  ist  eine  Textdatei,  welche  die  Tastenbelegungen
       beschreibt.  Falls  »-«  übergeben wird, wird aus der Standardeingabe gelesen. Falls keine
       Eingabedatei angegeben  wird,  wird  ein  Standard-Dateiname  als  Name  der  Eingabedatei
       verwendet,   welcher  systemabhängig  ist:  Auf  Unix-Systemen  wird  $HOME/.lesskey,  auf
       MS-DOS-Systemen   $HOME/_lesskey   und   auf    OS/2-Systemen    $HOME/lesskey.ini    oder
       $INIT/lesskey.ini  verwendet,  falls  $HOME nicht definiert ist. Die Ausgabedatei ist eine
       Binärdatei, die von less verwendet wird. Falls keine Ausgabedatei angegeben  ist  und  die
       Variable   LESSKEY  gesetzt  ist,  wird  LESSKEY  als  Name  der  Ausgabedatei  verwendet.
       Anderenfalls  wird  ein  Standard-Dateiname  als  Name  der  Ausgabedatei  verwendet,  der
       systemabhängig  ist:  Auf  Unix-  und  OS-9-Systemen wird $HOME/.less, auf MS-DOS-Systemen
       $HOME/_less und auf OS/2-Systemen  $HOME/less.ini  oder  $INIT/less.ini  verwendet,  falls
       $HOME  nicht  definiert  ist.  Falls  die  Ausgabedatei  bereits existiert, wird sie durch
       lesskey überschrieben.

       Die Option -V oder --version veranlasst lesskey, seine Versionsnummer auszugeben  und  das
       Programm  unmittelbar  zu  beenden.  Wenn  -V  oder --version angegeben ist, werden andere
       Optionen und Argumente ignoriert.

       Die Eingabedatei besteht aus einem oder mehreren Abschnitten. Jeder Abschnitt beginnt  mit
       einer Zeile, die dessen Typ bezeichnet. Mögliche Abschnitte sind:

       #command
              definiert neue Befehlstasten.

       #line-edit
              definiert neue Tasten zur Zeilenbearbeitung.

       #env   definiert Umgebungsvariablen.

       Leere Zeilen, und Zeilen, die mit einem Rautezeichen (#) beginnen, werden ignoriert, außer
       bei den speziellen Abschnittsüberschriften.

COMMAND-Abschnitt

       Der »command«-Abschnitt beginnt mit der Zeile

       #command

       Falls der »command«-Abschnitt der erste Abschnitt in  der  Datei  ist,  kann  diese  Zeile
       weggelassen werden. Der »command«-Abschnitt besteht aus Zeilen der folgenden Form:

         Zeichenkette <Leerraum> Aktion [Extra-Zeichenkette] <Zeilenvorschub>

       Der  Leerraum kann aus einer beliebigen Folge von einem oder mehreren Leerzeichen und/oder
       Tabulatoren bestehen. Die Zeichenkette bezeichnet die Befehlstaste(n), welche  die  Aktion
       aufrufen. Die Zeichenkette kann eine einzelne Befehlstaste oder eine Abfolge von bis zu 15
       Tasten sein. Die Aktion ist der Name der Less-Aktion  aus  der  nachfolgenden  Liste.  Die
       Zeichen in der Zeichenkette können wortwörtlich erscheinen oder es kann ein Zirkumflex (^)
       vorangestellt werden, um eine Steuertaste zu kennzeichnen. Ein Rückschrägstrich, dem  eine
       bis  drei  Ziffern  in oktaler Notation folgen, können zum Angeben des oktalen Werts eines
       Zeichens verwendet werden. Ein Rückschrägstrich, dem verschiedene  Zeichen  folgen,  geben
       die Eingabezeichen wie folgt an:

       \b     RÜCKTASTE

       \e     ESCAPE

       \n     ZEILENVORSCHUB

       \r     EINGABETASTE

       \t     TABULATOR

       \ku    PFEILTASTE AUF

       \kd    PFEILTASTE AB

       \kr    PFEILTASTE RECHTS

       \kl    PFEILTASTE LINKS

       \kU    SEITE AUF

       \kD    SEITE AB

       \kh    HOME

       \ke    END

       \kx    ENTF

       Ein  Rückschrägstrich,  dem  ein  anderes  Zeichen  folgt,  zeigt  an,  dass  das  Zeichen
       wortwörtlich genommen werden soll. Den Zeichen Zirkumflex, Leerzeichen, Tabulator und  dem
       Rückschrägstrich selbst muss ein Rückschrägstrich vorangestellt werden.

       Einer  Aktion  kann  eine  »Extra«-Zeichenkette  folgen. Wenn ein solcher Befehl ausgelöst
       wird,  während  less  läuft,  wird  die  Aktion  ausgeführt  und  die   Extra-Zeichenkette
       ausgewertet,  so  als  ob  sie  in  less  eingegeben  worden  wäre. Diese Funktion kann in
       bestimmten Fällen zur Erweiterung  der  Funktionalität  eines  Befehls  verwendet  werden.
       Schauen   Sie   sich   die  Befehle  »{«  und  »:t«  im  nachfolgenden  Beispiel  an.  Die
       Extra-Zeichenkette hat für die »quit«-Aktion eine besondere Bedeutung: Wenn  less  beendet
       wird, dann wird das erste Zeichen der Extra-Zeichenkette als dessen Exit-Status verwendet.

BEISPIEL

       Die  folgende  Eingabedatei  beschreibt die Reihe der standardmäßigen von less verwendeten
       Befehlstasten:

            #command
            \r        forw-line
            \n        forw-line
            e         forw-line
            j         forw-line
            \kd       forw-line
            ^E        forw-line
            ^N        forw-line
            k         back-line
            y         back-line
            ^Y        back-line
            ^K        back-line
            ^P        back-line
            J         forw-line-force
            K         back-line-force
            Y         back-line-force
            d         forw-scroll
            ^D        forw-scroll
            u         back-scroll
            ^U        back-scroll
            \40       forw-screen
            f         forw-screen
            ^F        forw-screen
            ^V        forw-screen
            \kD       forw-screen
            b         back-screen
            ^B        back-screen
            \ev       back-screen
            \kU       back-screen
            z         forw-window
            w         back-window
            \e\40          forw-screen-force
            F         forw-forever
            \eF       forw-until-hilite
            R         repaint-flush
            r         repaint
            ^R        repaint
            ^L        repaint
            \eu       undo-hilite
            g         goto-line
            \kh       goto-line
            <         goto-line
            \e<       goto-line
            p         percent
            %         percent
            \e[       left-scroll
            \e]       right-scroll
            \e(       left-scroll
            \e)       right-scroll
            \kl       left-scroll
            \kr       right-scroll
            \e{       no-scroll
            \e}       end-scroll
            {         forw-bracket {}
            }         back-bracket {}
            (         forw-bracket ()
            )         back-bracket ()
            [         forw-bracket []
            ]         back-bracket []
            \e^F      forw-bracket
            \e^B      back-bracket
            G         goto-end
            \e>       goto-end
            >         goto-end
            \ke       goto-end
            \eG       goto-end-buffered
            =         status
            ^G        status
            :f        status
            /         forw-search
            ?         back-search
            \e/       forw-search *
            \e?       back-search *
            n         repeat-search
            \en       repeat-search-all
            N         reverse-search
            \eN       reverse-search-all
            &         filter
            m         set-mark
            M         set-mark-bottom
            \em       clear-mark
            '         goto-mark
            ^X^X      goto-mark
            E         examine
            :e        examine
            ^X^V      examine
            :n        next-file
            :p        prev-file
            t         next-tag
            T         prev-tag
            :x        index-file
            :d        remove-file
            -         toggle-option
            :t        toggle-option t
            s         toggle-option o
            _         display-option
            |         pipe
            v         visual
            !         shell
            +         firstcmd
            H         help
            h         help
            V         version
            0         digit
            1         digit
            2         digit
            3         digit
            4         digit
            5         digit
            6         digit
            7         digit
            8         digit
            9         digit
            q         quit
            Q         quit
            :q        quit
            :Q        quit
            ZZ        quit

VORRANG

       Die von lesskey angegebenen Befehl erhalten Vorrang vor den standardmäßigen Befehlen.  Ein
       standardmäßiger Befehl kann durch einen entsprechenden Eintrag in der Eingabedatei mit der
       Aktion »invalid« deaktiviert werden. Alternativ können Sie einen Schlüssel, der nichts tun
       soll,  mit  der  Aktion »noaction« definieren. Dabei ist »noaction« ähnlich wie »invalid«,
       aber less gibt für einen »invalid«-Befehl  einen  Warnklang  aus,  aber  nicht  für  einen
       »noaction«-Befehl.   Zusätzlich   können  ALLE  Standardbefehle  durch  Hinzufügen  dieser
       Steuerzeile zur Eingabedatei deaktiviert werden:

       #stop

       Dadurch werden alle Standardbefehle ignoriert. Die #stop-Zeile sollte die letzte Zeile  in
       diesem Abschnitt der Datei sein.

       Denken   Sie  daran,  dass  #stop  gefährlich  sein  kann.  Da  sämtliche  Standardbefehle
       deaktiviert werden, müssen Sie genügend Befehle  vor  der  #stop-Zeile  angeben,  um  alle
       notwendigen   Aktionen   zu   aktivieren.  Beispielsweise  könnte  ein  nicht  definierter
       »quit«-Befehl sehr frustierend sein.

ZEILENBEARBEITUNGS-ABSCHNITT

       Der Zeilenbearbeitungs-Abschnitt beginnt mit folgender Zeile:

       #line-edit

       Dieser Abschnitt gibt neue Tastenbelegungen für die Befehle zur Zeilenbearbeitung  an,  in
       ähnlicher  Weise,  wie  Tastenbelegungen  für  gewöhnliche  Befehle  im #command-Abschnitt
       angegeben werden. Der Zeilenbearbeitungs-Abschnitt besteht aus einer Liste von Tasten  und
       Aktionen, jeweils eine pro Zeile wie im nachfolgenden Beispiel.

BEISPIEL

       Die  folgende  Eingabedatei  beschreibt  den Satz der standardmäßigen von less verwendeten
       Zeilenbearbeitungstasten:

            #line-edit
            \t        forw-complete
            \17       back-complete
            \e\t      back-complete
            ^L        expand
            ^V        literal
            ^A        literal
            \el       right
            \kr       right
            \eh       left
            \kl       left
            \eb       word-left
            \e\kl     word-left
            \ew       word-right
            \e\kr     word-right
            \ei       insert
            \ex       delete
            \kx       delete
            \eX       word-delete
            \ekx      word-delete
            \e\b      word-backspace
            \e0       home
            \kh       home
            \e$       end
            \ke       end
            \ek       up
            \ku       up
            \ej       down
            ^G        abort

UMGEBUNGSVARIABLEN FÜR LESS

       Der Abschnitt zu den Umgebungsvariablen beginnt mit der Zeile

       #env

       Dieser Zeile folgt eine Liste zuzuweisender Umgebungsvariablen. Jede Zeile besteht aus dem
       Namen  einer  Umgebungsvariable,  einem  Gleichheitszeichen  (=) und dem Wert, welcher der
       Umgebungsvariable zugewiesen werden soll. Leerräume vor oder nach  dem  Gleichheitszeichen
       werden  ignoriert.  Die auf diese Weise zugewiesenen Variablen sind nur für less sichtbar.
       Falls eine Variable sowohl in der Systemungebung als auch in der Lesskey-Datei  zugewiesen
       ist,  erhält  der  Wert  in  der  Lesskey-Datei  Vorrang.  Obwohl  die  Lesskey-Datei  zur
       Außerkraftsetzung der in  der  Umgebung  festgelegten  Variablen  verwendet  werden  kann,
       besteht der Hauptzweck der Zuweisung von Variablen in der Lesskey-Datei einfach darin, die
       Konfigurationsinformationen für less zusammen in einer Datei zu speichern.

BEISPIEL

       Die folgende Eingabedatei setzt die Option -i immer dann, wenn less  ausgeführt  wird  und
       setzt den Zeichensatz auf »latin1«:

            #env
            LESS = -i
            LESSCHARSET = latin1

SIEHE AUCH

       less(1)

WARNUNGEN

       Auf  MS-DOS- und OS/2-Systemen senden bestimmten Tasten eine Zeichensequenz, die mit einem
       NUL-Zeichen  beginnt  (0).  Dieses  NUL-Zeichen  sollte  in  der  Lesskey-Datei  als  \340
       eingetragen werden.

COPYRIGHT

       Copyright © 1984-2019 Mark Nudelman

       Less  ist  Teil  des  GNU-Projekts  und  freie  Software. Sie können es entweder unter den
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       veröffentlicht,  oder  (2)  der  Less-Lizenz,  weitergeben  und/oder modifizieren. Weitere
       Einzelheiten  bezüglich  der   Weitergabe   finden   Sie   in   der   Datei   README   der
       Less-Distribution.  Sie  sollten  ein Exemplar der GNU General Public License zusammen mit
       dem Quellcode von Less erhalten haben. Siehe die Datei COPYING. Falls nicht, schreiben Sie
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AUTOR

       Mark Nudelman
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ÜBERSETZUNG

       Die    deutsche   Übersetzung   dieser   Handbuchseite   wurde   von   Mario   Blättermann
       <mario.blaettermann@gmail.com> erstellt.

       Diese Übersetzung ist Freie Dokumentation;  lesen  Sie  die  GNU  General  Public  License
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       übernommen.

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                                     Version 551: 11 Jun 2019                          LESSKEY(1)