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BEZEICHNUNG

       execl, execlp, execle, execv, execvp - Datei ausführen

ÜBERSICHT

       #include <unistd.h>

       extern char **environ;

       int execl( const char *path, const char *arg, ...);
       int execlp( const char *file, const char *arg, ...);
       int execle( const char *path, const char *arg,
                   ..., NULL, char * const envp[]);
       int execv( const char *path, char *const argv[]);
       int execvp( const char *file, char *const argv[]);

BESCHREIBUNG

       Die  exec-Bibliotheksfunktionen  ersetzen den aktuellen Programmcode im
       Speicher mit neuem Programmcode.  Dieser Programmcode  wird  aus  einer
       Datei  geladen.   Die  hier beschriebenen Bibliotheksfunktionen stellen
       eine Schnittstelle zu der Systemfunktion execve(2) dar.

       Das erste Argument dieser Funktionen ist immer der Pfadname der  Datei,
       die ausgeführt werden soll.

       Der Ausdruck const char *arg und die nachfolgenden Ellipsen (’...’ wird
       auch Ellipse genannt) der Funktionen execl, execlp, und execle ist  als
       eine  Liste  mit  einer  unbestimmten Anzahl von Parametern arg0, arg1,
       ..., argn zu verstehen.  Zusammen stellen sie eine Liste mit einem oder
       mehreren nullterminierten (mit ’\0’ abgeschlossenen) Zeichenketten dar,
       die der Funktion main des aufgerufenen Programms  in  argv[]  übergeben
       wird.   Der erste Eintrag arg0 sollte ein Zeiger auf den Dateinamen des
       aufgerufenen Programms sein.  Dieser Dateiname wird  normalerweise  von
       jedem   Programm   in   argv[0]   erwartet.    Die  Parameterliste  der
       execl-Funktionen muss mit einem NULL-Zeiger abgeschlossen werden.

       Die Funktionen execv und execvp übergeben die  Aufrufparameter  an  das
       Folgeprogramm   in   einem   Vektor  von  Zeigern  auf  nullterminierte
       Zeichenketten.  Die Struktur dieses Vektors entspricht exakt dem Aufbau
       von  argv[]  der Funktion main eines Programms.  Daher sollte der erste
       Eintrag  in  diesem  Vektor  einen  Zeiger  auf  den   Dateinamen   des
       aufgerufenen  Programms  enthalten.   Der  Zeigervektor  muss mit einen
       NULL-Zeiger als letzten Eintrag abgeschlossen werden.

       Die Funktion execle übergibt zusätzlich die  Umgebungsvariablen  (siehe
       env(1)) in einem Zeigervektor an das Folgeprogramm.  Dieser Vektor muss
       ebenfalls mit  einem  NULL-Zeiger  als  letzten  Eintrag  abgeschlossen
       werden.    Alle   Zeichenketten   müssen   nullterminiert   sein.   Die
       Parameterliste arg0 bis argn wird zunächst  mit  einem  NULL  -  Zeiger
       abgeschlossen.   Hinter  dem  NULL-Zeiger  wird  dann  der Zeigervektor
       envp[]  wie  oben  beschrieben  angegeben.   Die   übrigen   Funktionen
       übernehmen  die  Umgebungsvariablen  für  den  neuen  Prozess  von  der
       externen Variablen environ.

       Ein Teil der Funktionen hat eine spezielle Semantik.

       Die Funktionen execlp und execvp verwenden den Suchpfad für ausführbare
       Dateien  vom  Elternprozess,  wenn der angegebene Programmname nicht in
       Form eines relativen oder absoluten  Pfadnamens  angegeben  wird.   Der
       Suchpfad  wird  durch  die  Umgebungsvariable PATH definiert.  Ist PATH
       nicht definiert, wird der Standardpfad ‘‘/bin:/usr/bin:.’’ verwendet.

       Wenn die Ausführung einer  gefundenen  Datei  nicht  möglich  war  (der
       execve-Aufruf  lieferte  EACCES  in  errno),  wird  die  Suche  mit den
       verbliebenen Pfadangaben des Suchpfades fortgesetzt.  Wenn keine andere
       Datei gefunden wird, kehren diese Funktionen mit dem Rückgabewert -1 in
       das aufrufende Programm zurück.  Die globale Fehlervariable  errno  ist
       in diesem Fall auf EACCES gesetzt.

       Wenn  der  Dateiheader einer gefundenen Datei nicht das korrekte Format
       hat (der  execve-Aufruf  lieferte  ENOEXEC  in  errno),  starten  diese
       Funktionen  eine  Shell  mit  dem  Pfadnamen  dieser  Datei  als erstes
       Argument.  Wenn dieser Versuch fehlschlägt, wird die Suche abgebrochen.

       Wenn  der Zugriff auf die gefundene Datei gerade nicht möglich ist (der
       execve-Aufruf lieferte ETXTBUSY  in  errno),  warten  diese  Funktionen
       mehrere   Sekunden   und   versuchen  periodisch  die  gefundene  Datei
       auszuführen.  Dieses Problem kann beim Dateizugriff über  ein  Netzwerk
       wie z.B. mit NFS auftreten.

RÜCKGABEWERT

       Wenn  eine  der exec-Funktionen in das aufrufende Programm zurückkehrt,
       ist ein Fehler aufgetreten.   Das  Funktionsergebnis  ist  -1  und  die
       globale   Variable  errno  wird  auf  die  entsprechende  Fehlerkennung
       gesetzt.

DATEIEN

       /bin/sh

FEHLER

       Der Aufruf  der  Funktionen  execl,  execle,  execlp  und  execvp  kann
       fehlschlagen.  In diesem Fall wird errno auf einen der möglichen Fehler
       der Funktionen execve(2) oder malloc(3) gesetzt.

       Execv setzt in diesem Fall errno auf einen  der  möglichen  Fehler  der
       Funktion execve(2).

KOMPATIBILITÄT

       In  früheren  Versionen von execlp und execvp wurde ‘‘.:/bin:/usr/bin’’
       als Standard-Suchpfad verwendet.  Um die Systemsicherheit  zu  erhöhen,
       wurde  das  aktuelle  Verzeichnis ‘‘.’’ zum Ende des Suchpfads verlegt.
       Linux verwendet hier den traditionellen "lokaler Pfad zuerst"-Pfad.

       Das Fehlerverhalten von execlp und execvp  beim  Versuch  Programme  zu
       starten  ist historische Praxis und traditionell undokumentiert.  Daher
       ist dieses Verhalten auch nicht durch den POSIX Standard  spezifiziert.
       Generell   sollte   der   Wert   von  errno  nach  einem  Fehler  einer
       exec-Funktion nur für  die  Ausgabe  von  Fehlermeldungen  genutzt  und
       keinesfalls  der Programmfluss von diesem Wert abhängig gemacht werden.
       Es ist auf jedem  UNIX-Derivat  mit  unterschiedlichen  Ergebnissen  zu
       rechnen.

       Traditionell  ignorieren  die  Funktionen execlp und execvp alle Fehler
       bis auf die oben beschriebenen  sowie  ENOMEM  und  E2BIG,  in  welchen
       Fällen  sie  ins  Hauptprogramm  zurückkehren.   Sie  kehren  jetzt ins
       Hauptprogramm bei  jedem  Fehler  anders  als  den  oben  beschriebenen
       zurück.

KONFORM ZU

       Execl,   execv,   execle,  execlp  and  execvp  sind  konform  zu  IEEE
       Std1003.1-88 (POSIX).

SIEHE AUCH

       sh(1), execve(2), fork(2), environ(7).