Provided by:
myrescue_0.9.4-5_i386 
NAME
myrescue - Festplattenrettungstool
SYNOPSIS
myrescue [-b block-size] [-B bitmap-file] [-A] [-S] [-r retry-count]
[-f skip-failed] [-s start-block] [-e end-block] [-R] [-G good-range]
[-F failed-range] [-J jump-after-blocks] input-file output-file
BESCHREIBUNG
myrescue ist kleines Tool, um von beschaedigten Festplatten die noch
lesbaren Daten zu sichern. Es hat eine aehnliche Funktion wie
dd_rescue, jedoch versucht MyRescue zuerst, die unversehrten Daten zu
retten, um dann erst die zerstoerten Bereiche zu bearbeiten.
Das Programm versucht, das Medium Block fuer Block in eine Datei auf
einer anderen(!) Festplatte zu kopieren, wobei eine Tabelle
("Blockbitmap") erstellt wird, in der die erfolgreich gelesenen bzw.
fehlerhaften Bloecke festgehalten werden. Diese Blockbitmap kann dann
fuer weitere Leseversuche wiederverwendet werden.
Zudem besitzt MyRescue einen speziellen Modus, um Lesefehler zu
behandeln: Normalerweise sind bei einem Festplattenschaden viele
Bloecke betroffen und damit defekt bzw. zerstoert. Versuchte man nun,
diese Bloecke weiterhin zu lesen, so leidet die Plattenoberflaeche, die
Lesekoepfe und auch die Mechanik darunter. Die Chancen fuer die Rettung
der restlichen unbeschaedigten Bereiche sinken dramatisch.
Im Skip-Modus versucht MyRescue, so schnell wie moeglich aus dem
defekten Bereich herauszukommen. Die uebersprungenen Bloecke werden in
der Blockbitmap markiert. Hat man nun die noch lesbaren Daten
gesichert, kann man dann weitere Leseversuche starten.
Abschliessend besitzt das Programm eine Option, um mehrfache
Leseversuche auf defekte Bloecke zu starten, bevor sie als Zerstoert
eingetragen werden.
HINWEIS
DIESES TOOL IST KEIN (!) ERSATZ FUER PROFESSIONELLE DATENRETTUNG DURCH
DARAUF SPEZIALISIERTE FIRMEN
Haben Sie also die Moeglichkeit, eine solche Firma kostenguenstig (da
solche Dienstleistungen sehr kostspielig sind) zu engagieren, dann
sollten sie nicht einmal daran denken, MyRescue einzusetzen, da es zur
weiteren Beschaedigung der Festplatte fuehren kann. MyRescue ist nur
fuer ganz Verzweifelte, die sich eine professionelle Datenrettung auf
keinen Fall leisten koennen und fuer diejenigen, die ganz genau wissen,
was sie tun (z.B. bei Alterung der Magnetbeschichtung usw.)
Man sollte nicht zuviel erwarten. Den Autoren sind zwar schon komplette
Restaurierungen gelungen, aber davon sollte man nicht ausgehen. Sehen
Sie die Daten und Festplatte vorerst als zerstoert an. (Und freuen sich
ueber alle Ueberlebenden, die doch noch auftauchen.)
Es gilt der uebliche GPL-Haftungsausschluss. INSBESONDERE SEI DARAUF
HINGEWIESEN, DAS DER AUTOR KEINERLEI HAFTUNG FUER MISLUNGENE
RETTUNGSVERSUCHE ODER ZERSTOERTE FESTPLATTEN UEBERNIMMT!
Auch wenn Sie das jetzt vermutlich am wenigsten hoeren wollen: Machen
Sie in Zukunft regelmaessige Datensicherungen, um ein "naechstes Mal"
in Sachen Datenrettung zu vermeiden.
OPTIONS
-b block-size
Die Groesse der Sektoren (fuer die Fehlererkennung) der
Festplatte. Meistens sind das 4096 Bytes, was zufaellig der
Defaultwert ist.
-B bitmap-file
Gibt den Namen der Bitmap-Datei an, die die Status aller Bloecke
beinhaltet. Wenn man die Datei mittels hexdump anschaut, so
steht der Wert 01 fuer korrekt gelesene Sektoren, 00 fuer noch
nicht bearbeitete. Negative Werte geben die Anzahl
fehlgeschlagener Leseversuche an. Gibt man keine Dateinamen an,
so wird der Name output-file.bitmap verwendet.
-A Wenn ein fehlerhafter Block entdeckt wird, wird der
Kopiervorgang abgebrochen.
-S Aktiviert den Skip-Modus: Wenn ein fehlerhafter Block entdeckt
wird, so erhoeht sich die Schrittweite exponentiell, bis wieder
ein lesbarer Block gefunden wird.
-f skip-failed
Bloecke ueberspringen, die schon skip-failed mal nicht gelesen
werden konnten. Damit kann vermieden werden, dass der Lesekopf
immer wieder ueber den gleichen Sektor kratzt.
-r retry-count
Gibt die Anzahl der Leseversuche an, bis ein Block als defekt
eingetragen wird. Voreinstellung ist 1
-s start-block
Die Nummer des Startblocks, bei dem angefangen werden soll.
Voreinstellung ist 0
-e end-block
Die Nummer des Endblocks, bis zu dem gelesen werden soll (wobei
dieser nicht eingeschlossen ist). Voreinstellung ist: Groesse
von input-file dividiert durch die block-size.
-R Rueckwaerts lesen, d.h. von end-block (nicht eingeschlossen) bis
start-block
-G good-range
Es werden nur Bloecke gelesen, die hoechstens good-range Bloecke
von einem schon erfolgreich gelesenen Block entfernt liegen.
-F failed-range
Erweitert die Wirkung von -f: Es werden auch Bloecke
uebersprungen, die bis zu failed-range Bloecke von einem laut -f
zu ueberspringenden Block entfernt liegen.
-J jump-after-blocks
Jeweils nachdem jump-after-blocks Bloecke gelesen wurden, wird
zufaellig zu einem anderen Block gesprungen. Sinnvoll, um
Platten mit verstreuten Defektbereichen zunaechst zu scannen. In
diesem Modus bewirkt -S das Weiterspringen beim ersten Defekt
oder beim Antreffen eines Blocks, der laut -f, -G or -F zu
ueberspringen ist.
-h, -? Zeigt die Online-Hilfe an.
EMPFOHLENE VORGEHENSWEISE
Bevor man sich die Prozedur der Datenrettung antuen moechte ;-), sollte
man folgendes ueberdenken:
· Der ganze Vorgang ist sehr langwierig (u. Umstaenden mehrere
Stunden oder gar Tage!) und aeusserst nervenaufreibend...
· Man braucht MINDESTENS eine zusaetzliche Festplatte oder ein
genuegend grosses Medium (z.B. Streamer, ZIP-Laufwerk oder
aehnliches). D.h. komplette Mediengroesse (z.B. bei einer 4 GB
Partition eine ebenso grosser freier Speicher auf der
Sicherungsfestplatte) plus der Blockbitmap mit je 1 Byte pro
Block.
Nun gut, hat man sich dazu entschieden, so geht man wie folgt vor:
· Bestimmen Sie die Hardware(!)-Blockgroesse ihrer Festplatte
(meistens 4096 Bytes). Dies kann mittels dem Befehl hdparm oder
ueber die Webseiten des Herstellers Ihrer Festplatte geschehen.
Wer weiss, wie man das direkt aus MyRescue hinbekommt, moege es
mich wissen lassen.
· Starten Sie einen Durchlauf mit skip-modus und einem Leseversuch
pro Block, um zuerst die noch lesbaren Daten zu sichern.
· Starten Sie einen weiteren Durchlauf ohne skip-modus.
· Wiederholen Sie diesen Vorgang, bis sich die Fehlerzahl nicht
mehr aendert. Man sollte aufgrund der mechanischen Erwaermung
der inneren Festplattenteile zwischen den Durchlaeufen immer ein
bis zwei Stunden warten.
· Wiederholen Sie das ganze mit einer hoeheren Zahl an
Leseversuchen.
· Erstellen Sie schliesslich eine Kopie der geretteten Daten und
fuehren Sie ggfs. den Befehl fsck darauf aus.
· Mounten Sie das Dateisystem (falls in eine Datei kopiert:
mittels loopback). Falls die Verzeichnisstrukturen zerstoert
wurden, finden sich die noch zuzuordnenden Dateifragmente im
Verzeichnis lost+found
Es hilft vielleicht, wenn man waehrend des Lesens von defekten Bloecken
der Festplatte Zeit gibt, sich zu rekalibrieren.
Die Programmierer freuen sich (vor allem wenn alles glatt geht) von
Ihnen und Ihren Erfahrungen hoeren, insbesondere im Experiences -Forum
auf der Sourceforge Project Seite. Vielen Dank!
BEKANNTE FEHLER
Das Handling der bitmap-file verlaesst sich darauf, dass bei lseek(2)
hinter das Dateiende der Bereich bis dahin mit Nullen aufgefuellt wird.
Die Blockbitmap laeuft nach 128 Lesefehlern ueber.
AUTOREN
Kristof Koehler <kristofk@users.sourceforge.net>, Peter Schlaile
<schlaile@users.sourceforge.net>
UEBERSETZUNG
Holger Ohmacht <holger.ohmacht@web.de> Kristof Koehler
<kristofk@users.sourceforge.net>
ANDERE TOOLS
dd(1), dd_rescue(no manpage?)
http://www.google.de/search?q=data+recovery
http://myrescue.sourceforge.net/